Stadtwerke Uelzen lehnen weitere Finanzspritze für Ukraine-Projekt ab

Schwarze Null oder Ausstieg

+
Dunkle Wolken am Horizont der SBE-Felder in der Ukraine: Auch 2011 schrieb das Unternehmen rote Zahlen.

Uelzen. Die Stadtwerke Uelzen lehnen eine Ausdehnung ihres finanziellen Engagements in der Ukraine ab: Der örtliche Energieversorger stockt seine Einlage an der Sustainable Bio Energy Holding GmbH (SBE), die das Landwirtschaftsprojekt betreibt, deshalb nicht auf.

Künftig halten die Stadtwerke Uelzen 25 Prozent der Anteile an der SBE, die Schwäbisch Haller 75. Bislang hatten beide Stadtwerke jeweils 50 Prozent der Anteile.

Hintergrund für die Vertragsumschreibung ist der Geldbedarf der SBE für die Ernte 2012. Rund 5,5 Millionen Euro haben die beiden Stadtwerke bislang jeweils in das Projekt gesteckt. Eine Ausdehnung des finanziellen Einsatzes habe man jetzt abgelehnt, weil das Engagement in der Ukraine im ausgewogenen Verhältnis zu anderen Aktivitäten und Aufgaben stehen müsse, erklärte Uelzens Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann.

Die Finanzierung der Ernte 2012 übernehmen nunmehr die Stadtwerke Schwäbisch Hall allein: Für die Ernte 2012 fließen nochmals drei Millionen Euro, dazu verdoppelte Schwäbisch Hall das eigene Grundkapital um 119 000 Euro. Dadurch halten die Schwaben 75 Prozent der Anteile.

Außerdem setzten beide Unternehmen weitere Signale: Der Firmensitz der SBE wird von Uelzen nach Schwäbisch Hall verlegt, der Chef der dortigen Stadtwerke, Johannes van Bergen, wird zusätzlicher Geschäftsführer der SBE neben Gert Sieger. Der hatte die Leitung der Gesellschaft vor einem Jahr übernommen und seinen mittlerweile ausgetauschten Vorgängern elementare Fehler beim Angehen des Projektes bescheinigt.

Könnte der Rückzug der Stadwerke Uelzen der erste Schritt zum endgültigen Ausstieg aus dem Ukraine-Engagement sein? „Wenn wir auch dieses Jahr keine schwarze Null schreiben oder einen dritten Gesellschafter finden, halte ich es für wahrscheinlich, dass Uelzen sich ganz verabschiedet“, sagt Sieger. Die bislang investierten Millionen könnten dann verloren sein – der Steuerzahlerbund hatte die Projektumsetzung vor einem Jahr kritisiert. Wie berichtet, hatte die Holding seit ihrer Gründung rote Zahlen geschrieben. Vergangenes Jahr stand unter dem Strich ein Minus von 1,5 Millionen Euro.

Von einem Scheitern mag in Uelzen derweil noch niemand sprechen. Zwar habe es Mängel bei der anfänglichen operativen Umsetzung gegeben, doch die von Gert Sieger eingeleiteten Maßnahmen zur Restrukturierung hätten bereits im abgelaufenen Jahr Veränderungen bewirkt, betonte Schümann. Abgesehen davon sei man auch heute davon überzeugt, „die SBE in die Profibilität führen zu können“.

Einen „Ausstieg auf Raten“ kann Uelzens Bürgermeister Otto Lukat, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, nicht erkennen. Vielmehr sei es dem Aufsichtsrat in Übereinstimmung mit der Unternehmensleitung wichtig gewesen, die Risiken der Stadtwerke zu begrenzen. „Die SBE muss beweisen, dass sie profitabel arbeiten kann. Das hat sie bislang nicht getan“, so das Stadtoberhaupt. „Ich erwarte, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um die Gesellschaft in die Gewinnzone zu bringen und damit auch die Investitionen zu sichern.“

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare