Jäger erhalten Prämie für erlegte Nutrias „damit die Kugel bezahlt ist“

Pro Schwanz sechs Euro

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Das Gebiss würde wohl auch für mehr reichen – aber Nutrias sind Pflanzenfresser.

Uelzen. Sie durchwühlen Uferbereiche, richten Flurschäden an und sie vermehren sich „wie die Karnickel“: Nutrias sind mittlerweile eine richtige Plage. Niedersachsenweit wurden im vergangenen Jahr erstmals über 10 000 Tiere geschossen.

Und auch im Landkreis Uelzen nehmen die Schäden durch die Pflanzenfresser zu.

Flurschaden im nordwestlichen Niedersachsen. Bauern könnten von „Schwanzprämie“ und Bejagung profitieren.

„In den letzten drei, vier Jahren ist das deutlich mehr geworden“, bestätigt Ulrich Ostermann, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Uelzen. Über diese Organisation werden beispielsweise Feldberegnung und Gewässerpflege in der Region geregelt. Deswegen ist die Arbeit von Ostermanns Mitarbeiter durch Nutria-Schäden in Uferbereichen auch direkt beeinträchtigt. Mittlerweile, so Ostermann, würde im Verband aufgrund des Risikos, mit dem 13 Tonnen schweren Bagger in die Bauten von Nutrias zu krachen, viel mehr zu Fuß gearbeitet. Die Begehung gebe für alle weiteren Schritte eine gewisse Sicherheit.

Seit gut 25 Jahren erobern sich die Nutrias Niedersachsens Gewässer und Uferbereiche. Ihre unterirdischen Behausungen stellen auch in Uelzen eine Gefahr für Arbeiter dar.

Wenngleich die Schäden und Beeinträchtigungen durch das Tier, das wegen seines beliebten Pelzes in Deutschland und Osteuropa bis in die 90er Jahre intensiv gezüchtet, dann vielfach ausgesetzt wurde, in anderen Teilen Niedersachsens größer sind als in Uelzen, rechne man beim Wasser- und Bodenverband „künftig mit mehr Schäden“, so Ostermann weiter. Bereits im zweiten Lebensjahr seien die Weibchen geschlechtsreif, gerade in milden Wintern hätten die Tiere keine Probleme damit, Nahrung zu finden. Ein Paar könne dann für bis zu 30 Nachkommen sorgen. Man habe deswegen beschlossen, die Jäger mit in die Problemlösung einzubeziehen: Die Pflanzenfresser – genießbar, aber am Nahrungsmittel-Markt nicht beliebt – sollen verstärkt bejagt werden. Seit kurzem gibt es deswegen eine „Schwanzprämie“ von sechs Euro, „damit die Kugel bezahlt ist“, erklärt Ostermann. Ein Prinzip, das sich beispielsweise bei der Reduzierung von Bisam bewährt habe.

Nutrias werden übrigens auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt, Ostermann erklärt aber, dass es sich bei der aus Südamerika stammenden Art um einen Verwandten des Meerschweinchens handelt, nicht um eine Ratten- oder Biberart.

Neben den Mitarbeitern von Ulrich Ostermann könnten auch die Bauern der Region von der Bejagung der Nutria profitieren: Der Pflanzenfresser frisst auf dem Acker beispielsweise Mais und Feldfrüchte weg. Und für diese Flurschäden gibt es keine Ausgleichszahlungen.

Von Steffen Kahl

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