Strategien gegen Schul-Fehlzeiten: Lehrer diskutieren bei „rundem Tisch“ in Uelzen

Schwänzen hat viele Facetten

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Schulschwänzer sind nicht immer notorische Verweigerer, sondern haben oft psychosomatische Probleme.

Uelzen/Landkreis. Manchmal lässt sich die Lösung eines Problems in einem Satz auf den Punkt bringen: „Schulen müssen interessanter sein als das, was Schulschwänzer außerhalb erleben“, sagte Rüdiger Reiche, Mitarbeiter des Kreis-Jugendamtes, gestern beim zweiten „Runden Tisch zum Umgang mit Schul-Absentismus im Landkreis Uelzen“.

Manchmal lässt sich die Lösung eines Problems in einem Satz auf den Punkt bringen: „Schulen müssen interessanter sein als das, was Schulschwänzer außerhalb erleben“, sagte Rüdiger Reiche, Mitarbeiter des Kreis-Jugendamtes, gestern beim zweiten „Runden Tisch zum Umgang mit Schul-Absentismus im Landkreis Uelzen“. Bei dem Treffen in den Berufsbildenden Schulen (BBS) II tauschten sich mehr als 40 Lehrkräfte aus der Region darüber aus, wie man dem Absentismus, also dem unerlaubten Versäumen von Unterricht, wirkungsvoll begegnen kann.

Die Schule interessanter zu machen, wie Reiche es forderte, ist eine Möglichkeit. Doch der Referent machte auch deutlich: „Hartnäckige Schulverweigerer werden wir nur ,knacken‘ können, wenn wir gut zusammenarbeiten.“ Lehrer, Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Landesschulbehörde und weitere Partner müssten kooperieren, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wir dürfen die Schüler nicht zu sehr in Watte packen“, forderte Wolfgang Schäfer, Abteilungsleiter der BBS I. Nötig seien „klare Strukturen und feste Regeln“.

Doch wer wiederholt nicht zum Unterricht komme, sei noch lange kein notorischer Verweigerer, betonte Manuela Bahn, schulpsychologische Dezernentin der Landesschulbehörde in Lüneburg. Das Phänomen habe viele Facetten. Häufig hätten betroffene Schüler Mobbing- oder Gewalterfahrungen in der Schule gemacht. Einige hätten Angst vor bestimmten Lehrern oder würden von ihren Eltern davon abgehalten, den Unterricht zu besuchen. Psychosomatische Reaktionen wie Angst, Übelkeit oder starke emotionale Ausbrüche seien oft die Folge. „Von allein geht das nicht weg“, sagte Bahn. „Hier muss auf jeden Fall eine Therapie angestrebt werden. Es ist sehr wichtig, frühzeitig zu intervenieren.“

Wie die Oberschule Uelzen mit Absentismus umgeht, erläuterte die kommissarische Leiterin Imke Pape. In jeder Stunde werde genau dokumentiert, ob alle Schüler am Unterricht teilnehmen. Schwänzer würden direkt angesprochen, bei wiederholter Abwesenheit suche die Schule das Gespräch mit den Eltern. Und wenn das nicht helfe, werde das Schul- und Kulturamt des Landkreises eingeschaltet, das notfalls Bußgelder verhänge. Das passiere 60 bis 80 Mal im Jahr, berichtete die zuständige Kreis-Mitarbeiterin Maren von Hörsten.

Schulschwänzen habe oft psychosomatische Gründe, hat auch Imke Pape festgestellt. „Eigentlich wollen die Betreffenden gerne zur Schule, aber sie können einfach nicht.“

Von Bernd Schossadowski

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