Stadtwerke Schwäbisch Hall stellen Bilanz auf Null / Gerangel um Verteilung

SBE-Partner bucht Totalverlust

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Uelzen/Schwäbisch Hall. Die Gesellschafterversammlung, zu der sich die Stadtwerke Uelzen sowie Schwäbisch Hall jetzt getroffen hatten, war „keine Gesellschafterversammlung in offizieller Form“, wie Uelzens Stadtwerke-Chef Markus Schümann erklärt, sondern eher „ein intensives Gespräch“.

Und zwar darüber, wie die beiden Gesellschafter mit dem gemeinsamen ukrainischen Landwirtschaftsprojekt Sustainable Bio Energy (SBE) Holding auf einen Nenner kommen wollen. Während die Stadtwerke Uelzen, wie berichtet, 5,1 der bislang in die SBE investierten 6,8 Millionen Euro abgeschrieben haben, haben die Schwäbisch Haller das Ukraine-Geschäft mittlerweile als Totalverlust gebucht. Laut Haller Tagblatt haben sie unterm Strich einen Verlust aus dem Ukraine-Geschäft von 10,3 Millionen Euro eingefahren.

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Wahrscheinlich sei die Komplett-Abschreibung „eine überzogene Position“, räumt Schwäbisch Halls Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes van Bergen ein. Denn derzeit werde, wie berichtet, ja noch mit potenziellen Interessenten über einen Verkauf der SBE verhandelt. Seit dem gemeinsamen Gespräch vom Dienstag sei dabei nun auch ein Geschäftspartner der SBE im Rennen. „Ein Nachbarbetrieb“, so Markus Schümann. Laut van Bergen wolle der Russisch sprechende Deutsche Fahrzeuge, Gebäude und Mitarbeiter der SBE übernehmen. Aber auch die Fortführung des SBE-Betriebs mit einem Partner sei denkbar. Nun will man alle Optionen bedenken und sich am 21. Januar wieder zur nächsten Gesellschafterversammlung treffen. Doch schon jetzt ist ein Gerangel der Gesellschafter um die beste Verteilungsquote nach einem möglichen Verkauf absehbar: Während die Stadtwerke Uelzen, wie berichtet, noch eine Rückzahlung der SBE in Höhe von 1,7 Millionen Euro aus Darlehenszinsen erwarten, haben auch die Schwäbisch Haller ihre Forderungen: Weil sie im Jahr 2011 Geld zugeschossen hätten, als die Zukunft der SBE auf der Kippe stand, wollen sie von einem möglichen Verkaufspreis zu allererst einmal rund 5,75 Millionen Euro haben. Der Rest – sollte es ihn überhaupt geben – könne dann aufgeteilt werden.

Anfang 2014 geht es außerdem in die nächste Prozessrunde: Das Landgericht Heilbronn soll klären, ob die SBE-Geschäftsführung Rechte des Minderheitsgesellschafters aus Uelzen „überfahren“ hat. Außerdem hat das Gericht über eine Beschwerde der SBE zu befinden, die sich gegen die Höhe eines Streitwerts wendet. Diesen hatte das Gericht, wie berichtet, festgelegt, nachdem sich SBE und Stadtwerke Uelzen in einer Auseinandersetzung über einen fragwürdigen Verkaufsprozess doch noch gütlich geeinigt hatten. Die Kosten für Gericht und Anwälte waren danach der SBE auferlegt worden.

Von Ines Bräutigam

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