Diskussion um Vorgaben

Schutzstreifen an der Ilmenau: „Leichentuch“ fürs Flussbett?

Die Ilmenau und angrenzende Flächen, hier bei Emmendorf, sind Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Bäume. Zu ihrem Erhalt ist ein Schutzgebiet vorgesehen. Es wird auf Geheiß der EU ausgewiesen.
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Die Ilmenau und angrenzende Flächen, hier bei Emmendorf, sind Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Bäume. Zu ihrem Erhalt ist ein Schutzgebiet vorgesehen. Es wird auf Geheiß der EU ausgewiesen.

Uelzen/Landkreis – Wenn Kühe nicht auf der Weide stehen, sondern im Stall, so bekommen sie ihr Gras vom Landwirt „geliefert“. Gewonnen wird es beim Mähen von Grünlandflächen.

Nach Auffassung von Léonard Hyfing werden es Bauern im Landkreis künftig schwerer haben, das benötigte Gras für ihre Tiere bereitzustellen, wenn das Landschaftsschutzgebiet entlang der Ilmenau mit den vom Kreisumweltamt formulierten Vorgaben kommt.

Hyfing ist selbst Bauer im Nordosten des Landkreises, sitzt für die FDP im Kreistag und will „Einschränkungen für die Landwirtschaft“ nicht hinnehmen, wie er am Dienstag im Kreis-Umweltausschuss erläuterte. Diskutiert wird zurzeit die neueste Fassung der Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet. In ihr sind Vorgaben zu finden, wonach es entlang von Gewässern Schutzstreifen mit einer Breite von bis zu 2,50 Meter geben soll, die nicht oder nur bedingt landwirtschaftlich genutzt werden können.

Unter anderem würde mit der Verordnung gelten, dass erst ab September eine Mahd im Schutzstreifen möglich ist. Wie Hyfing im AZ-Gespräch erläutert, erfolge zurzeit eine maschinelle Mahd im Frühjahr, Sommer und Herbst. Bliebe das Gras bis September stehen, sei es nicht mehr als Futter zu nutzen. „Es ist dann holzig“, sagt das FDP-Kreistagsmitglied.

Passagen in der Verordnung, die zum Nachteil der Landwirte sind, gehören gestrichen, meint Hyfing am Dienstag und „erntet“ Widerspruch. Jörg Martens sitzt für die CDU im Kreistag, von Berufs wegen ist er für den Wasser- und Bodenverband im Einsatz. Als Fachmann spricht er auch am Dienstag. Der Einsatz von Maschinen entlang von Gewässern ist, wie er erklärte, abträglich für die Tier- und Pflanzenwelt. Mit dem Maschineneinsatz gelange Erde ins Wasser. Für die kleine Bachmuschel oder auch Insektenarten habe das schwere Folgen. „Das ist das Leichentuch für die Fluss-Sohle“, so Martens.

Heiner Scholing (Grüne) erklärt, dass es um die Natur als wichtiges Schutzgut gehe. Die Verwaltung sei sachlich auf die Einwendungen in der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangen.

Hyfing argumentiert am Dienstag auch damit, dass in den Nachbarlandkreisen Harburg und Celle ebenfalls über Landschaftsschutzgebiete für die Luhe und für die Aller beraten werde. In den dafür formulierten Verordnungen seien Passagen zu Schutzstreifen nicht zu finden.

Das Kreisumweltamt hält dem entgegen: Nur weil dort solche Passagen nicht zu finden seien, müsse im Landkreis Uelzen nicht in gleicher Weise verfahren werden. Aus fachlicher Sicht gebe es „eine Notwendigkeit“ für die Schutzstreifen an den Gewässern.

VON NORMAN REUTER

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