Grundstückseigentümer Jörg Steffen aus Lüneburg wartet auf Versicherungsgelder

Schuttberg sorgt für Streit

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Im August 2011 begannen die Vorarbeiten für den Abbruch. Im Herbst folgte dann der Baustopp. Seitdem herrscht Schweigen zwischen den beteiligten Firmen aus Lüneburg und Uelzen.

Uelzen/Lüneburg. „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. “ Am Bauzaun vor dem Grundstück des alten Katasteramtes an der Gudesstraße in Uelzen hängt ein Zettel, der auf diesen Paragrafen im Grundgesetz hinweist.

Seit einem halben Jahr liegt in der City das ehemals denkmalgeschützte Gebäude in Trümmern. Ein hoher Berg Schutt am Eingang zur Innenstadt. Wenn es regnet, zieht ein moderiger Wind über die Straße.

„Im Mai ist das beendet“, sagt der Eigentümer dieses Grundstücks, Jörg Steffen, ein Immobilienmakler aus Lüneburg, im AZ-Gespräch zu. Dass er für dieses Schandbild in der Innenstadt verantwortlich ist, weist er jedoch von sich.

Das Grundstück samt ehemaligem Katasteramt hat er vom Land Niedersachsen gekauft, berichtet er. Vor zwei Jahren habe die Misere begonnen: Nach zwei Bränden wartet er auf die Regulierung durch die Gebäudeversicherung – er wartet bis heute. „Es gibt Unstimmigkeiten zwischen der Gebäudeversicherung und mir, was die Versicherung des Brandschadens anbelangt“, erläutert Steffen. Die Gutachter der Versicherung und der von ihm selbst beauftragte Gutachter hätten verschiedene Sichtweisen über die Schadenssumme. Erst am 24. April stehe ein Termin mit dem Versicherer fest – vom Ergebnis hänge seine Entscheidung ab: Grundstück verkaufen oder Neubau?

Nach Angaben seines Gutachters sei durch das Löschwasser beim zweiten Brand ein Totalschaden entstanden, der eine Sanierung des Fachwerkhauses nicht mehr möglich machte. Unter diesen Voraussetzungen sei das Haus aus dem Denkmalschutzprogramm herausgenommen worden – das bedeutete grünes Licht für den Abriss.

Steffen entschied sich für eine Lüneburger Abbruch-Firma, mit der er bereits Erfahrung habe. Vertraglich sei geregelt, dass er die Arbeiten bezahle, sobald sie fertiggestellt seien. Das bedeutet Schutt abtragen, Kellergeschoss füllen und eine Fläche planieren, die zumindest als Parkplatz genutzt werden könnte. Die Lüneburger Firma habe jedoch als Subunternehmer den Uelzener Konkurrenten engagiert, berichtet Steffen. Und weshalb der nun die Abrissarbeiten nicht beende, sei ihm schleierhaft: „Was es zwischen den beiden für Differenzen gibt, weiß ich nicht.“ Das Uelzener Abbruch-Unternehmen Kewitz sieht das allerdings anders. Geschäftsführer Martin Kewitz habe mit dem Lüneburger Kollegen eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, weil der selbst keine Möglichkeit gehabt habe, den Schutt zu entsorgen. Vertraglich sei mit Steffen ein Zahlungsplan vereinbart worden – 5000 Euro beim Start des Abbruchs und dann in Etappen 20 000 Euro. Insgesamt seien 70 000 Euro zugesagt, aber da bereits die ersten Gelder ausblieben, habe er die Arbeiten gestoppt. Sobald die Zahlungen auf dem Konto eingingen, setze er die Arbeiten auf der Baustelle fort, so Kewitz.

Steffen habe sich die aktuelle Situation an der Gudesstraße noch nicht angeschaut. „Wenn es so unschön aussieht, werde ich dafür sorgen, dass der Schutt Ende Mai nicht mehr da ist.“ Aber auch der Abriss unterliege dem Versicherungsschutz. Falls das Problem bis dahin noch nicht gelöst sei, „dann zahle ich das aus meiner Tasche“. Bis jetzt habe sich bei ihm allerdings noch niemand über den Trümmerhaufen nahe des Wochenmarktes beschwert, betont der Lüneburger.

„Unbebaut wird das Grundstück nicht lange bleiben“, kündigt er indes an. „Ich werde es entweder verkaufen oder bebaue es neu.“ Letzteres habe bei ihm Priorität: Er plant ein mehrstöckiges Gebäude für Büros oder Praxen, am liebsten ein Fachärzte-Haus, im Erdgeschoss könne er sich zum Beispiel eine Apotheke vorstellen. Auch Baupläne wurden in seinem Auftrag bereits erstellt: Der Lüneburger Architekt Gerd Meyer-Eggers sei von der Ulenköper-Sage beeindruckt und habe für ihn Pläne entworfen, die aus dem Neubau ein „Uhlenköper-Haus“ machen. Den Skizzen entsprechend sind an dem runden Neubau Augen und Ohren zu erkennen. Der abgerundete Bau habe für die Straßenführung den Vorteil, dass zur Ecke Gudesstraße/Mauerstraße Platz entstehe und die Menschen, die das Haus verlassen, nicht direkt an die Straße treten müssten. Die Stadt Uelzen hat der Architekt 2011 mit den Skizzen zweimal besucht, bestätigt Baudezernent Karsten Scheele-Krogull. „Da waren wir auch sehr angetan und sind sehr offen.“ Die Verwaltung sei mit Meyer-Eggers so verblieben, dass er die Pläne weiter ausarbeite und mit dem Bauherren abstimme. Steffen allerdings zweifelt am Stil: „Dass eine Eule nachgebaut werden soll, hat mir nicht so gefallen.“ Für den Bau nach den Plänen von Meyer-Eggers entstünden Kosten von rund 1,3 Millionen Euro. Ob die Summe bereitsteht, sei erst nach dem Gespräch mit der Versicherung klar. Eines betont Steffen allerdings mit Nachdruck: „Es wird in aller Kürze eine Entscheidung fallen, wie es weitergeht.“

Von Diane Baatani

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