Vom Toten Winkel eines Busses bis zum Toben am Bahnsteig: Schüler bekommen Sicherheitstraining

Schulranzen als gefährliches Geschoss

Polizeioberkommissar Martin Schwanitz erklärt den Fünftklässlern des Lessing-Gymnasiums, auf was sie beim Busfahren achten müssen.

Uelzen. Gedrängel an der Bustür. Jeder der 27 Schüler möchte beim Einsteigen der Erste sein. Bis alle im Bus sind und einen Platz gefunden haben, dauert es 24 Sekunden. Das hat Michael Mützel mit der Stoppuhr gemessen.

Der Bahn-Mitarbeiter für den Bereich Training lächelt wissend: „Jetzt schauen wir mal, wie lange es dauert, wenn ihr euch alle in einer Reihe aufstellt. “ Die Schüler gehorchen. Und tatsächlich dauert es jetzt nur 20 Sekunden, bis jeder einen Sitzplatz gefunden hat.

Auf das Dreieck – es bildet den Bereich des Toten Winkels bei einem Bus ab – passt eine ganze Schulklasse. Sie ist vom Fahrersitz aus nicht zu sehen.

Das ist nur eine von vielen Lektionen, die die neuen Schüler des Lessing-Gymnasiums an diesem Tag lernen. Etwa die Hälfte von ihnen konnte zu Fuß zur Grundschule in ihrem Ort laufen. Das Fahren mit dem Bus oder der Bahn ist für sie neu. Darum zeigen ihnen Polizei und Bundespolizei zusammen mit Vertretern von Bahn und Metronom, auf was es beim Schulweg auf Rädern ankommt. „Die Busse sind immer rappelvoll“, berichtet ein Mädchen. Umso wichtiger sei es, aufeinander Rücksicht zu nehmen, erklärt die Polizei: „Wenn ihr seht, dass jemand geschubst oder am Aussteigen gehindert wird, sagt dem Busfahrer Bescheid“, erklärt Polizeioberkommissar Martin Schwanitz. „Der ist der Chef im Bus.“

Doch auch der kann nicht alles sehen. Eine große Gefahr bei Bussen ist der Tote Winkel. Um zu demonstrieren, wie groß der Bereich ist, in dem sie vom Fahrer nicht gesehen werden, breiten Bahn und Polizei ein Dreieck auf dem Boden aus. Die Schüler sind erstaunt, dass sie alle auf dieses Dreieck passen.

Und dann darf jeder einmal auf den Sitz des Busfahrers klettern und in den Seitenspiegel schauen: Die Klassenkameraden sind verschwunden. Martin Schwanitz erklärt, dass Schüler auch hinter dem Bus schlecht gesehen werden. „Und lasst den Bus erst wegfahren, bevor ihr die Straße überquert, sonst sehen euch die Autofahrer zu spät.“

Doch auch im Bus lauern Gefahren. Um zu demonstrieren, wie schnell ein zehn Kilogramm schwerer Schulranzen zum gefährlichen Geschoss werden kann, stellen die Polizisten einen ebenso schweren Wasserkanister auf den Boden hinten im Bus. Dann beschleunigt der Fahrer auf 30 km/h und bremst abrupt ab. Mit lautem Gepolter schießt der Kanister durch den Bus. Das hat Eindruck hinterlassen. „Stellt den Schulranzen nicht einfach auf den Boden, sondern haltet ihn zwischen den Beinen oder auf eurem Schoß“, rät Schwanitz.

Vieles davon gilt auch für das Zugfahren. So erfahren die Zehn- und Elfjährigen, dass Züge beim Einfahren einen Sog entwickeln können und es wichtig ist, die weiße Haltelinie nicht zu übertreten und am Bahnsteig nicht zu toben. Selfies auf Bahngleisen liegen vor allem bei jungen Mädchen stark im Trend. Doch die Polizisten erklären, dass sich Züge oft geräuschlos und sehr schnell nähern können und sie sich überhaupt nicht auf Gleisanlagen aufhalten sollen.

Von Sandra Hackenberg

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