Menschen in Finanznöten: Berater zur Entwicklung in Corona-Zeiten

Berater Ralf Ritter aus Uelzen: Schuldner-Welle kommt erst noch

Noch musste die Schuldnerberatung der Caritas in Uelzen nicht mehr Fälle bearbeiten. Das Team geht aber davon, dass es so nicht bleiben wird. Die Schuldner-Welle komme erst noch, befürchtet Berater Ralf Ritter. Fotos: ARCHIV/DPA
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Noch musste die Schuldnerberatung der Caritas in Uelzen nicht mehr Fälle bearbeiten. Das Team geht aber davon, dass es so nicht bleiben wird. Die Schuldner-Welle komme erst noch, befürchtet Berater Ralf Ritter.

Uelzen/Landkreis – Am Ende des Jahres wird Schuldnerberater Ralf Ritter, davon geht er aktuell aus, nicht mehr Beratungsgespräche geführt haben als in anderen Jahren.

Heißt das, die Corona-Krise und ihre Auflagen blieben folgenlos, was die Schuldensituation der Menschen in der Region betrifft?.

Das wäre ein Trugschluss. Die Pandemie hat durchaus Folgen, weiß Ritter. Und er ist überzeugt: Das richtig dicke Ende kommt erst noch. „Diese Welle kommt später, zeitversetzt“, sagt er.

In diesem Jahr schlugen bei Ritter und seinen Kollegen der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas in Uelzen coronabedingt unter anderem Menschen auf, denen Hilfen zugesprochen worden waren, die aufgrund der Schuldensituation allerdings gepfändet wurden. Wer kein sogenanntes Pfändungsschutzkonto mit einem Freibetrag besaß, hatte mitunter das Nachsehen. „Dann ist der Druck groß. Hilfe wird gesucht“, so Ritter.

Auch Menschen mit geringfügigen Beschäftigungen fanden verstärkt den Weg zu Ritter, wenn sie ihre Stelle verloren hatten. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung sind Minijobber und Leiharbeiter besonders von Einkommensverlusten in der Krise betroffen.

Ralf Ritter, Schuldenberater

Aktuell auffällig: Verstärkt erreichen Hilferufe von Schwangeren die Schuldnerberatung – mit dem Tenor, dass mit der Geburt des Kindes die Finanzen nicht ausreichen werden. Über die Stiftung „Mutter und Kind“ kann Unterstützung gewährt werden, die Schuldnerberatung hilft bei der Antragsstellung. Über die Gründe, warum es jetzt zur Häufung solcher Fälle kommt, dazu kann Ritter keine klaren Aussagen treffen, aber er schließt nicht aus, dass es einen Zusammenhang zu dem Frühjahrslockdown und Schwangerschaften gibt. Dass es aller Voraussicht nach am Ende des Jahres nicht mehr Menschen sein werden, die das Beratungsangebot in Anspruch genommen haben, führt Ritter auf verschiedene Gründe zurück. So befürchtet er, dass besonders die Senioren den Weg zur Beratungsstelle aus Sorge vor einer etwaigen Ansteckung nicht antraten. Ohnehin hätten sie auch schon eine Scheu, sich helfen zu lassen, weiß Ritter. „Es ist die Gruppe, die mir Sorgen bereitet. Die Senioren sitzen nun alleine zuhause und leiden still vor sich hin.“ Laut Schuldenatlas 2020 stieg in den zurückliegenden zwölf Monaten die Zahl der überschuldeten Senioren ab 70 um 23 Prozent.

Vereinzelt habe es auch noch, so paradox es klingen mag, einen positiven Effekt durch die Corona-Krise gegeben, was die Finanzen betrifft, berichtet Ritter. Die Bezugszeit für das Arbeitslosengeld I sei verlängert worden, wodurch die Lage sich mitunter besser darstellte als erwartet.

Ritter und sein Team gehen davon aus, dass sie im neuen Jahr dann mehr zu tun bekommen werden. Wenn etwaige Reserven aufgebraucht sind, die Kurzarbeitszeiten enden und es zu Entlassungen kommt, werden die finanziellen Nöte zunehmen.

Allzu oft, so sagt Ritter, würden die Menschen erst dann bei der Schuldnerberatung aufschlagen, wenn die Lage brenzlig geworden ist, der Strom beispielsweise schon abgestellt sei. Er kann nur den Rat geben, rechtzeitig aktiv zu werden und sich Hilfe zu holen.

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