„Schüler zweiter Klasse“

Der Standort Veerßer Straße in Uelzen ist beengt und dringend sanierungsbedürftig.

Uelzen/Landkreis - Von Bernd Schossadowski. Als Melina Redmer zum ersten Mal ihren Klassenraum in den Berufsbildenden Schulen (BBS) II an der Veerßer Straße in Uelzen betrat, war sie erschrocken: Bröckelnder Putz, Löcher in den Wänden, wackelige Tische, kaputte Stühle, zugige Fenster und eine nicht richtig funktionierende Heizung – die 27-Jährige, die an den BBS II zurzeit eine Ausbildung als Sozialassistentin absolviert, traute ihren Augen nicht.

Doch so wie in ihrem Klassenraum sieht es in weiten Teilen des Schulgebäudes aus. Ein Umzug aus den sanierungsbedürftigen Räumen in einen neuen Standort ist nach Ansicht von Lehrern und Schülern dringend erforderlich. Dann wäre es auch möglich, das seit langem geplante Kompetenzzentrum für die Erzieher-Ausbildung zu starten.

Allerdings können sich die BBS-II-Schüler nicht mit der von der Kreispolitik vorgeschlagenen schrittweisen Unterbringung in der Pestalozzischule (AZ berichtete) anfreunden. Zum einen wäre die vollständige Nutzung dieses teilweise leer stehenden Gebäudes wohl erst in drei Jahren möglich. „Außerdem wollen nicht noch einen vierten Schulstandort aufmachen“, betont Schülervertreterin Kathrin Menke. Und Klassensprecherin Melina Redmer ergänzt: „Die Pendelei zwischen den Schulen ist für uns ganz schlimm.“

So haben die angehenden Sozialassistenten dienstags Englisch im BBS-II-Gebäude an der Esterholzer Straße. Freitags müssen sie zum Sportunterricht in die Turnhalle der Grundschule Veerßen, an den anderen Tagen sind sie an der Veerßer Straße. Und dann gibt es noch den Standort in Ebstorf.

„Wir fühlen uns als Schüler zweiter Klasse, da wir seit Jahren ohne Fachräume in einem baufälligen Gebäude ohne Brandschutz unterrichtet werden müssen“, kritisiert die 26-jährige Kathrin Menke. „Wir quetschen uns in Klassenräume, sitzen auf ausgemusterten Stühlen, während andere Schulen zu großen Teilen leer stehen.“ Zudem würden durch die fehlenden Räume seit Jahren mehrere hundert Ausbildungsplätze verhindert.

Doch nach Ansicht von Kathrin Menke gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma: Bereits nach den Sommerferien könnte das Herzog-Ernst-Gymnasium in die gesamte obere Etage der Pestalozzischule einziehen, schlägt sie vor. Im Gegenzug sollte die BBS II von der Veerßer Straße in die Hermann-Löns-Schule verlagert werden. Dort sei nicht nur der Bauzustand viel besser, es gebe auch kürzere Wege, denn direkt nebenan befindet sich der BBS-II-Standort Esterholzer Straße.

„Diese Lösung wäre die kostengünstigste und würde unser Kompetenzzentrum entstehen lassen“, hofft Kathrin Menke, dass die Kreispolitik nun ein offenes Ohr für die künftigen Sozialassistenten hat. Denn: „Mit unserer Ausbildung in frühkindlicher Bildung legen wir den Grundstein für die Zukunft dieses Landkreises. Wir betreuen, bilden und erziehen später die Generation, die diesen Landkreis am Leben erhalten soll.“

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