Kommentar

Schroff und aggressiv – die Online-Diskussion zum tödlichem Badeunfall in Uelzen

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Die spiegelglatte Wasseroberfläche und die sehr flachen Bereiche täuschen: An einigen Stellen ist der Oldenstädter See bis zu sechs Meter tief. Er gilt aber eigentlich als sicherer Badesee.

Am nächsten Tag erinnert nichts mehr an das Drama, das sich am Abend zuvor hier abgespielt hat. Donnerstagvormittag am Oldenstädter See: Eine Gruppe Männer steht knietief im Wasser, sie spielen sich fröhlich einen Ball zu. Am Strand sonnt sich ein junges Pärchen. Der große Ansturm an diesem Tag steht erst noch bevor.

Zwölf Stunden zuvor bot sich hier ein ganz anderes Bild: Rettungswagen reiht sich an Rettungswagen, Feuerwehrfahrzeug an Feuerwehrfahrzeug. Einsatzkräfte haben im Wasser eine Menschenkette gebildet, sie schwimmen und tasten Meter für Meter ab. Es ist ein hoffnungsloser Wettlauf gegen die Zeit. Denn das Opfer des Badeunfalls, ein 19-jähriger Mann, ist zu diesem Zeitpunkt schon (zu) lange unter Wasser. Und er liegt in drei Metern Tiefe, wie sich später beim Einsatz von Tauchern herausstellt.

Das Unglück vom Oldenstädter See und die Hitzeperiode sind ohne Frage die alles beherrschenden Themen dieser Woche im Landkreis Uelzen. Und so verschieden sie auch sein mögen, so viele Parallelen gibt es auch. Da ist zum einen die Hilflosigkeit – am See die der Einsatzkräfte, bei der Hitze die der Landwirte. Und die Hitze und als Folge gesundheitliche Probleme können auch die Ursache dafür sein, dass ein gerade mal 19 Jahre alter Mann plötzlich unterging und ertrank.

Da sind aber auch die unschönen Begleiterscheinungen, wie sie unvermeidlich zu sein scheinen in dieser Zeit. Kann es wirklich sein, dass Feuerwehrleute Schaulustige zurückhalten, Eltern sogar anhalten müssen, sich dem See nicht zu nähern, um ihren Kindern einen möglicherweise grausigen Anblick zu ersparen?

Müssen in sozialen Netzwerken wirklich schon die wilden Spekulationen über das Unglück einsetzen, bevor die Rettungskräfte das Opfer überhaupt geborgen haben?

Unsere Zeit ist schnelllebig wie nie zuvor, die Schroffheit und Aggression nimmt nie gekannte Ausmaße an. Selbst bei einem Unglück wie einem Badeunfall, wie es ihn schon immer gegeben hat und leider auch wieder geben wird.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: So die Fußballmannschaft, die spontan ins Wasser sprang, um den Einsatzkräften bei ihrer schwierigen Suche zu helfen. Die Badegäste, die still ihre Sachen packten und für die Gaffen kein Thema war. Und natürlich die vielen, vielen ehrenamtlichen Helfer, die in der Feuerwehr oder beim DRK engagiert sind und die ihre Freizeit opfern und nicht selten ihre Gesundheit riskieren, um anderen Menschen zu helfen.

All das sind Dinge, die auch Mut machen in einer Zeit, die so viel Irritierendes produziert.

Von Thomas Mitzlaff

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