Schritt gegen häusliche Gewalt an Kindern: Experten setzen auf präventive Maßnahmen für Eltern

„Nicht wegschauen!“

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Auch Kinder können Opfer häuslicher Gewalt werden. Um dem vorzubeugen, setzen die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes Uelzen auf präventive Angebote.

Uelzen. „Ob ich vorbildlich bin oder nicht, ich bin Vorbild – immer. “ Der Satz kommt harmlos daher. Für die Mitarbeiter des Uelzener Kinderschutzbundes birgt er aber einen wesentlichen Baustein zur Vorbeugung gegen häusliche Gewalt an Kindern.

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Denn – da sind sich Sozialpädagogin Regina Erdmann und Vorsitzende Agatha Schnepper sicher – Vernachlässigung von Kindern oder Gewalt im Umgang mit ihnen sei oft auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit der Eltern, die mitunter selbst kein richtiges Verhalten vorgelebt bekommen hätten. „Wir haben auch schon festgestellt, dass junge Mütter manchmal gar nicht wissen, wie man mit Säuglingen umgeht.“ Beim Kampf gegen häusliche Gewalt setzen sie auf frühe Aufklärung im Rahmen von Eltern-Kind-Gruppen oder Elternkursen.

Eher selten erfährt der Kinderschutzbund von konkreten Verdachtsfällen, sagt Erdmann. Schnepper vermutet: „Die Eltern sind ja bemüht, wenn ihre Kinder zum Beispiel blaue Flecken haben, sie möglichst wenig vorzuzeigen.“

„Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, meint auch Joachim Hahn-Röhrs. Er ist einer der sogenannten „erfahrenen Fachkräfte“, die dann zum Einsatz kommen, wenn in Einrichtungen Verdachtsfälle vorliegen. Das ist in einer Vereinbarung zur Umsetzung des Schutzauftrages zwischen dem Jugendamt und allen Einrichtungen, die Leistungen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz erbringen, so geregelt. Ihre Aufgabe: Sie sollen im Zweifel abwägen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. „Das kommt sehr selten vor, und häufig weiß man es eben nicht genau“, berichtet Hahn-Röhrs, hauptberuflicher Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums der „Stiftung Leben leben“. Denn eine Beule kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Taten seien oft nur schwer zu belegen. „Der beste Weg ist es immer, es mit den Eltern zu versuchen“, sagt Hahn-Röhrs, zumindest, wenn ausgeschlossen werden könne, dass das betroffene Kind dadurch gefährdet wird.

Der Experte unterscheidet zwischen Vernachlässigung und der Kindeswohlgefährdung durch Verletzungen oder sexuelle Gewalt. In diesem Fall übergibt er direkt an Jugendamt oder Polizei. Hahn-Röhrs appelliert: „Nicht wegschauen!“ Wer mitbekomme, dass ein Kind Opfer von Gewalt ist, sollte sich an die Polizei oder das Jugendamt wenden. „Da sollte man sich nicht scheuen, tätig zu werden.“

Von Anna Petersen

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