Erneut horrende Kosten für Benzin zu Wochenbeginn / Autofahrer verärgert

Schreckgespenst Preistafel

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Mehr Unmut bei den Autofahrern, weniger Arbeit für die Tankwarte: Bei den hohen Benzinpreisen derzeit wird nur noch wenig getankt.

Uelzen. Der bange Blick auf die Tankanzeige wird auch in dieser Woche vielen Uelzenern die Lust am Autofahren verderben. Angesichts des derzeitigen Preisniveaus der Kraftstoffe ist der Unmut an den Tankstellen der Uhlenköperstadt deutlich zu spüren.

„Das ist eine große Schweinerei“, macht Jürgen Stein seinem Ärger über den teuren Sprit Luft, „die machen mit uns, was sie wollen.“ Der 69-Jährige tankt darum nur noch, wenn das Benzin halbwegs günstig ist. Mit „die“ sind vor allem die großen Mineralölkonzerne gemeint. Auch das Bundeskartellamt warf den fünf Marktführern kürzlich wieder vor, die gestiegenen Kosten an den Verbraucher weiterzugeben, anstatt sich selbst einem stärkeren Preiswettbewerb auszusetzen (AZ berichtete). Der Ölpreis war zuletzt stark gestiegen, vor allem die Furcht vor Lieferengpässen treibt die Werte nach oben. Die politische Lage in Nahost beispielsweise sorgt für Nervosität am Rohölmarkt. Erschwerend hinzu kommt der schwache Eurokurs derzeit: Da das Öl in Dollar gehandelt wird, verschärft ein ungünstiges Umrechnungsverhältnis die Situation im europäischen Währungsraum zusätzlich.

Bereits letzte Woche „war das Benzin mit 1,70 Euro und der Diesel mit 1,55 Euro pro Liter so teuer wie noch nie“, weiß Ernes Malagic von der Star-Tankstelle. Die wenigen Kunden, die dennoch gekommen wären, hätten nur für geringe Beträge getankt. Außerden beschwerten sich viele beim Tankwart über die hohen Spritkosten, dabei habe er gar keinen Einfluss darauf. Als sich die Preis-Lage am vergangenen Freitag ein wenig entspannte, machte sich das auch an Malagics Arbeitsplatz sofort bemerkbar: „Gegen Mittag gingen die Preise runter, da kamen sofort wieder mehr und haben auch mal wieder vollgetankt.“

Zu denen, die auf diese Gelegenheit nur gewartet haben, gehört auch Denis Zühlke. Er konnte das Füllen seines Tanks in den Tagen zuvor ganz vermeiden –„Gott sei Dank“, wie der 36-Jährige anmerkt, denn in seinen Kombi „geht eine Menge rein“.

Man könne den Ölkonzernen zwar nichts nachweisen, aber „ganz koscher“ käme ihm deren Preispolitik nicht vor. Aral-Pressesprecher Tobias Wolny weiß um den Eindruck der Verbraucher, die Benzinpreise würden sich nach Terminkalendern richten – dass sie zum Beispiel stets zu Ferienbeginn hoch gingen.

Dagegen versichert der 45-Jährige: „Die Preise richten sich einzig und allein nach der Situation auf dem Weltmarkt, nicht nach deutschen Ferienzeiten.“ Auch die Einkaufspreise für die Konzerne befänden sich derzeit auf absoluten Rekordhochs, erklärt Wolny. Hinzu käme die hohe Steuerbelastung in Deutschland. Diesen Aspekt betont auch Siegfried Marks vom Automobil-Club Verkehr (ACV). Der Vorsitzende des Ortsclubs Uelzen blickte zuletzt selbst „mit großem Schrecken auf die Preistafeln der Tankstellen“ und weist in diesem Zusammenhang auf die hohen Abgaben hin: „Weit mehr als die Hälfte des Geldes fließt als Steuer an den Staat.“ Darum sieht Marks auch die Politik in der Pflicht, etwas gegen anhaltende Preishochstände zu unternehmen: „Warum muss immer nur der Verbraucher verzichten und nicht auch der Staat?“, fragt er sich, besonders im Hinblick auf die Berufspendler, „zumal denen 2004 die Pauschale gekürzt wurde“. Doch auch für andere, die auf einen Benzinschlucker angewiesen sind, sei die derzeitige Situation eine Zumutung: „Ich bin über 70, wohne in Nettelkamp. Ich brauche das Auto für jeden Einkauf.“ Auch die angelaufene Woche droht im Zeichen der Zapfsäule zu stehen. Dabei sind die Preise ohnehin immer das Gesprächsthema Nummer eins an den Uelzener Tankstellen: „Zur Zeit schimpft fast jeder“, berichtet Rosemarie Daut von der Felta-Tankstelle. Dabei habe sie gar keinen Einfluss auf die Zahlen an ihrem Preismast: „Die legt unser Lieferant fest und der orientiert sich an der lokalen Marktsituation“, erklärt die Tankstellenbetreiberin. Das sage sie auch den aufgebrachten Autobesitzern, habe aber durchaus Verständnis für deren Situation: „Bei wem sollen sie sich denn sonst beschweren?“ Andererseits freuten sich die Kunden auch immer, wenn das Tanken wieder günstiger werde. Seit 1970 sei sie im Tankstellengeschäft, aber über das Zustandekommen der Preise könne sie nicht viel sagen. Als freie Tankstelle reagiere man vor allem auf die Veränderungen anderer. Finanziell wirkten sich die Preisschwankungen auf ihren Betrieb nicht großartig aus: „Wenn man auf die Monatsbilanz blickt, sind die Verkaufszahlen ziemlich konstant.“ Das sei auch nicht verwunderlich, denn betankt werden müssten die Fahrzeuge nun einmal – wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen.

Von Karsten Tenbrink

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