Im eisigen Griff des Winters

Schneekatastrophe sucht vor 50 Jahren den Landkreis heim

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Der Schneesturm Mitte März 1969 sorgt für liegengebliebene Züge und meterhohe Schneeberge.

Uelzen/Landkreis – Schneewehen, die mehr als 40 Orte im Landkreis Uelzen von der Außenwelt abschneiden, ein entgleister Triebwagen zwischen Bodenteich und Lüder. Der Schneesturm, der vor 50 Jahren am Sonntag, 16. März, durch Schleswig-Holstein und Nordostniedersachsen zieht, hält auch den Landkreis Uelzen mehr als eine Woche in Atem. Bereits seit Freitag hatte es durchgängig geschneit.

Ursache für den Schneesturm ist ein Kälteeinbruch, der die Temperaturen schlagartig sinken lässt. Damit zeigt der Winter 1968/69, der statistisch gesehen zu den zehn schneereichsten Norddeutschlands zählt, noch einmal, was in ihm steckt. Schon im Februar und zur Jahreswende ziehen Schneestürme über die Region. Fast den ganzen Winter über gibt es eine geschlossene Schneedecke.

Die Schneemengen sind so groß, dass der Landkreis am Dienstag, 18. März 1969, zwei Schneefräsen aus Hildesheim und dem Harz zur Unterstützung anfordern muss, berichtet die AZ am Mittwoch nach der Katastrophe. Damit sollen auch Kapazitäten geschaffen werden, um die noch immer von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfer zu erreichen. So sind unter anderem Edendorf, Kroetze und Velgen eingeschneit. Insgesamt sind am Mittwoch noch zwischen 40 und 50 Orte nicht zu erreichen. „Zwischen Oldendorf II und Bornsen türmte sich der Schnee sogar bis zu Höhen von drei Metern“, schreibt die AZ am 20. März über die Räumungsarbeiten. Auf der Straße zwischen Bevensen, Sasendorf und der B 4 sowie zwischen Uelzen und Bodenteich türmen sich die Schneewehen auf bis zu zweieinhalb Meter auf. Zwischen Natendorf und Lüneburg räumen Panzer die B 4.

Bus und Bahn stehen fast die gesamte Woche über im ganzen Landkreis zum großen Teil still. Um feststeckende Züge in den nächsten Bahnhof fahren zu können, rückt der Bundesgrenzschutz aus. Mit Schaufeln ausgerüstet, versuchen die Beamten, die Schneeverwehungen auf den Schienen zu beseitigen. Auch zwei Schneepflugzüge der Bahn sind pausenlos im Einsatz. Ein Triebwagen entgleist am Montag bei dem Versuch, einen feststeckenden Zug zwischen Bodenteich und Lüder zu befreien, der auf dem Weg nach Wolfsburg war.

Auch viele Autos stecken in den Schneewehen fest. Landwirte ziehen die Fahrzeuge mit ihren Traktoren frei. Aber auch die Helfer stecken am Ende häufig im Schnee fest. So scheitert die Uelzener Wehr beim Versuch, eingeschneite Autofahrer zwischen Eimke und Lintzel zu befreien, schon an der Anfahrt, weil sich eine rund 150 Meter lange Schneewehe bei Groß Süstedt gebildet hat, berichtet die AZ.

Auch die Rettungswagen des DRK können viele Orte nicht erreichen und bleiben stecken. Dramatisch wird es in Stoetze: Bei einem Kind besteht der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung, doch der Rettungswagen kann den Ort einfach nicht erreichen. „Der Krankenwagen kam trotz unermüdlichen Versuchens nicht in die Ortschaft hinein. Der Vater brachte sein Kind selbst mit einem Unimog ins Krankenhaus, sodass auch in diesem Fall ernste Komplikationen verhindert werden konnten“, schreibt die AZ.

VON LARS LOHMANN

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