Schnee bremst Metronom aus

Bahnreisende sitzen bei klirrender Kälte in Uelzen fest

Eine DRK-Fahrzeugflotte steht vor dem verschneiten Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen.
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Von Sonntagabend an bis in den frühen Montagmorgen hinein versorgten 20 Ehrenamtliche rund 50 gestrandete Passagiere im Metronom-„Hotelzug“.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Rund 50 Bahnreisende müssen wegen des Wintertiefs „Tristan“ für etliche Stunden in einem sogenannten „Hotelzug“ in Uelzen ausharren. Das DRK Uelzen kümmert sich um sie.

Uelzen – Um 21.30 Uhr geht am Sonntag der Alarm zum Betreuungseinsatz bei der ehrenamtlichen Bereitschaft Kreis Uelzen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein, wie Sprecher Philipp Schulze im Gespräch mit der AZ erzählt. 20 Frauen und Männer machen sich so zügig wie möglich mit sechs Fahrzeugen auf zum Bahnhof. Dort funktionieren sie kurzerhand ein Fahrradabteil um, laden eifrig Kisten auf ihren Einsatzfahrzeugen in den warmen Zug.

Der Fahrradwagen im Metronom wird als Versorgungsstation genutzt

Tische und Bänke werden aufgebaut. Und schon wenig später gibt es Kaffee, kalte Getränke, Müsli- und Schokoriegel – und eine heiße Tomatensuppe mit Brötchen. „Liebe Fahrgäste im Metronom-Hotelzug, das DRK sorgt mit seinen ehrenamtlichen Helfern dafür, dass Sie versorgt werden. Unser Fahrradwagen ist zur Versorgungsstation geworden, und Sie können sich hier etwas Warmes zu essen, Getränke und eine kleine Nervennahrung abholen“, lautet die Durchsage im Zug. Die gestrandeten Passagiere sind dankbar für die Verpflegung auf der unfreiwillig verlängerten Reise.

Die Reisenden werden im Fahrradabteil unter anderem mit einer heißen Tomatensuppe versorgt.

DRK-Ehrenamtliche verteilen außerdem Decken und Kissen, damit es sich die Menschen so bequem wie möglich machen können, während draußen der Schnee vom eisigen Wind an den Fenstern vorbeigepeitscht wird. Bis um 2.30 Uhr sind die Helfer des DRK für die „Liegenbleiber“ da. Gut eineinhalb Stunden später dann die Erlösung: Um 4.08 Uhr kann der Zug als einer der ersten an diesem Tag den Bahnhof Uelzen in Richtung Hamburg verlassen.

„In dieser verschneiten und eisig kalten Nacht, in der alle viel lieber unter der warmen Decke im eigenen Bett gelegen hätten, war es nicht nur die heiße Suppe, die die Menschen erwärmt hat, sondern auch die Zuwendung der Helfer des DRK und der Fahrgastbetreuer des Metronom“, weiß Björn Pamperin, Pressesprecher der Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Uelzen.

Binnen kurzer Zeit wird die Infrastruktur für den Betreuungseinsatz in den Zug gebracht und aufgebaut.

Immer wieder wird die ehrenamtliche DRK-Bereitschaft zu solchen Betreuungseinsätzen gerufen. Deswegen ist es wichtig, dass im Lager das Notwendigste vorrätig ist. „Getränke, Snacks, Suppen und Würstchen sind immer vorhanden“, sagt Philipp Schulze, der beim winterlichen Einsatz auch selbst mit von der Partie ist.

Einen vergleichbaren Einsatz gab es zuletzt im Jahr 2016

Zuletzt waren die Helfer gefordert, als am 22. Januar in Oldenstadt zwei Panzerminen entdeckt worden waren und gesprengt werden mussten. Der Zulauf in die Betreuungsstelle in der Turnhalle der Grundschule hielt sich hier aber in sehr überschaubaren Grenzen – da war der nächtliche Einsatz am Hundertwasser-Bahnhof schon von einem anderen Kaliber.

Zuletzt im November 2016 hatte es einen vergleichbaren gegeben, als insbesondere der Landkreis Uelzen von einem Wintereinbruch mit sehr ergiebigen Schneefällen erfasst worden war. 2018 gab es einen anderen Betreuungseinsatz, da war aber die August-Hitze Auslöser gewesen.

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