Urteile wegen bandenmäßigen Betrugs

Schmutziger Deal beim Reinemachen: Trio aus Region Uelzen kassierte fast vier Jahre lang ab

Fast vier Jahre lang bereicherte sich das angeklagte Trio auf Kosten einer Reinigungsfirma. Die abgerechneten Arbeitsstunden waren nie geleistet worden – gestern gab es dafür vom Schöffengericht die juristische Quittung.
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Fast vier Jahre lang bereicherte sich das angeklagte Trio auf Kosten einer Reinigungsfirma. Die abgerechneten Arbeitsstunden waren nie geleistet worden – gestern gab es dafür vom Schöffengericht die juristische Quittung.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Uelzen – Wie konnte ein „Strohmann“ fast 20.000 Euro fürs Nichtstun erhalten? Wieso flog der Schwindel nie auf?

Knapp vier Jahre lang, zwischen Mai 2014 und Februar 2018, hat ein großes Reinigungsunternehmen aus der Region einem vermeintlichen Mitarbeiter Monat für Monat bis zu 440 Euro überwiesen, der tatsächlich aber nicht eine einzige Arbeitsstunde dort leistete, wo er laut Arbeitsvertrag eingesetzt war: im Uelzener Bahnbetriebswerk der Osthannoverschen Eisenbahnen AG.

Der Fall landete gestern vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Uelzen. Und er endete nach Geständnissen mit der Verurteilung einer Frau (56) aus Clenze, deren Lebenspartner (44) und deren Schwiegersohn (28) aus Uelzen zu Bewährungsstrafen von 15 bis 22 Monaten wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Außerdem muss der entstandene wirtschaftliche Schaden beglichen werden. „Daran werden sie lange zu knabbern haben“, mutmaßte Richter Rainer Thomsen.

Ausgelöst worden war der Prozess erst durch eine Anzeige aus der besagten Reinigungsfirma, als die Angeklagte zu einem Konkurrenten wechseln wollte. Bis dahin hatte das Controlling versagt, was Thomsen dann bei der Urteilsverkündung auch zum Schluss kommen ließ: „Man hat es ihnen nicht besonders schwer gemacht.“

Konkret angeklagt waren zunächst 47 bzw. 48 Taten, von denen wiederum zwei im Laufe des Prozesses eingestellt wurden. So oft war auf dem Girokonto des 28-jährigen Angeklagten jener Lohn eingetrudelt, den quasi seine Schwiegermutter bzw. deren Lebenspartner für ihn „erwirtschaftet“ hatten. Das war ihnen möglich, weil sie ihn aufgrund ihrer Position in der Firma mit einem Arbeitsvertrag – zunächst befristet, dann unbefristet – ausstatten und digitale Arbeitsnachweise für ihn fingieren konnten.

50 Euro behalten, Rest weitergeleitet

Der Jüngste aus dem angeklagten Trio stellte sein Konto zur Verfügung und behielt jeden Monat 50 Euro für sich, den Rest hob er ab und gab ihn bar weiter an die Schwiegermutter und deren Partner. Das Paar konnte so seinen Lebensunterhalt über Jahre besser bestreiten – kassierte aber gestern die juristische Quittung: jeweils ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar je zwei Jahre auf Bewährung gefordert.

Der 28-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ebenfalls auf Bewährung verurteilt. Dessen Verteidiger Helmut Springer sah seinen Mandanten eher als Gehilfen denn als Mittäter an. Doch das Schöffengericht folgte dem nicht: Er sei gewiss in den Plan eingebunden gewesen und habe das Geld jeden Monat weiterverteilt. In Summe behielt er nur etwa 2400 der fast 20 000 Euro für sich. Er haftet aber nichtsdestotrotz zusammen mit seinen Mitangeklagten dafür, dass der Schaden reguliert wird.

Strafmildernd hatte sich ausgewirkt, dass die Angeklagten im Anschluss an ein langes Verständigungsgespräch der Prozessbeteiligten die Taten gestanden hatten, nicht vorbestraft sind und angesichts fester Arbeitsverhältnisse sowie familiärer Bindungen positive Sozialprognosen haben. Die fünf geladenen Zeugen mussten nicht mehr gehört werden, der geplante Fortsetzungstermin wurde gestrichen.

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