Aus dem Gericht: Angeklagter fühlt sich ohne Waffe nicht mehr sicher

Uelzen: Ein Schlagring zum Selbstschutz

Uelzen – Wenn M. nach draußen geht, ist der Schlagring sein Begleiter. „Es ist ein beruhigendes Gefühl, wenn ich ihn dabei habe“, versucht der 20-Jährige, Richterin Claudia Hagemann gestern am Amtsgericht Uelzen zu erklären.

Laut Staatsanwaltschaft hat M. mit dem Schlagring, der im August vergangenen Jahres in seiner Tasche gefunden wurde, gegen das Waffengesetz verstoßen.

M. gehe es lediglich darum, dass er sich verteidigen kann. Der Heranwachsende schildert, dass er in Uelzen bereits häufiger angegriffen worden sei, wenn er abends mit Freunden draußen gewesen ist. „Ich bin in einem Umfeld, wo es sehr gefährlich ist“, behauptet er. „Vor allem abends in Uelzen.“

Sogar ausgeraubt worden sei M. bereits. „Ich fühle mich draußen nicht mehr sicher. Verstehen Sie meine Intention?“, fragt der Angeklagte bei der Richterin nach. Doch die kann M.s Verhalten nicht nachvollziehen. „Genau das ist das Risiko, dass, wenn man so etwas in der Tasche hat, es im Ernstfall auch einsetzt“, erklärt sie dem jungen Mann. „Wenn jeder Zweite abends in Uelzen mit so etwas unterwegs ist, brauchen wir nur bis Zehn zählen, bis was passiert. Sie können mit so was schlimmste Verletzungen verursachen“, hält sie M. vor und zeigt ihm noch mal den Schlagring, der in einer Beweistüte vor ihr auf dem Richterpult liegt.

Das will M. nicht einleuchten: „Wo ist der Unterschied, wenn ich einen Schlagring dabei habe oder ein erlaubtes Messer?“ Ohne Schutz habe er Angst, vor die Tür zu gehen. „Wenn ich so große Angst hätte, raus zu gehen, dann würde ich zuhause bleiben“, befindet Claudia Hagemann.

Gerade ist M. in einer berufsvorbereitenden Maßnahme, überlegt aber, sie abzubrechen. Die Richterin möchte wissen, warum. „Da gibt es viele Gründe“, gibt M. zu. „Ich leide unter Depressionen. War eine schwere Zeit.“

Claudia Hagemann stellt das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft unter einer Geldauflage ein. M. muss 200 Euro zahlen. „Die eigentliche Problematik“, erklärt die Richterin, „liegt in ihrer depressiven Phase.“ Daran müsse M. nun arbeiten.

Von Sandra Hackenberg

Rubriklistenbild: © picture alliance/Malte Christians/dpa

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