Bund kürzt Fördermittel für private Maßnahmen in verschiedenen Orten

Schlag fürs Dorfleben

Der Umbau der Bienenbütteler Bahnhofstraße hat oberste Priorität, danach soll die Dorferneuerung in anderen Bienenbütteler Ortsteilen in Angriff genommen werden – doch für die Förderung privater Maßnahmen sieht es da schlecht aus. Foto: Bräutigam

Uelzen/Landkreis. Katerstimmung herrscht in manchen Orten des Landkreises Uelzen. Denn ganz überraschend hat der Bund insgesamt 100 Millionen Euro bei der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz gestrichen, und zwar für alle Länder.

14 Millionen Euro davon entfallen auf das Land Niedersachsen, und wiederum etwa 80 Prozent davon waren eigentlich für die Dorferneuerung vorgesehen. Eigentlich. Denn zum einen werden wegen des angesetzten Rotstifts nun nicht nur keine neuen Dörfer mehr ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, sondern bei solchen, die bereits im Dorferneuerungsprogramm sind, keine privaten Maßnahmen mehr gefördert.

Harald Benecke, Kreisgeschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB) und Samtgemeindebürgermeister in Wrestedt, hält diese Entwicklung für ein völlig falsches Signal. „Das Land sollte ein besonderes Augenmerk auf den ländlichen Bereich haben“, mahnt er, „denn wir wissen, welch positive Effekte die Dorferneuerung auch auf den Zusammenhalt in den Orten hat, wie sie Politik, Verwaltung und Bürger gleichermaßen zusammenwachsen lässt und motiviert, gemeinsam zu arbeiten.“

Bislang durften Privatleute im Rahmen der Dorferneuerung für Zuschüsse von bis zu 30 Prozent hoffen, wenn sie etwa Dächer sanieren oder Gebäude umbauen. „Die bereits erteilten Bewilligungsbescheide werden sicher noch abgewickelt“, sagt Harald Benecke. Alle anderen privaten Anträge aber liegen erst einmal auf Eis. Voraussichtlich auch noch 2012, wie der NSGB-Kreisgeschäftsführer weiß.

Die meisten Orte im Dorferneuerungsprogramm haben im Landkreis Uelzen die Gemeinden Bienenbüttel und Lüder (siehe Kasten). Während es in Lüder, wie berichtet, bereits Aufregung über die Kürzungen gab, ist man in der Gemeinde Bienenbüttel noch recht entspannt: Der Rat habe sich einst darauf geeinigt, zunächst die Dorferneuerung im Ortskern Bienenbüttel umzusetzen – was zurzeit mit dem Umbau der Bahnhofstraße geschieht – und dann im Herbst weitere Prioritäten für die umliegenden Ortsteile festzulegen, erklärt Bürgermeister Heinz-Günter Waltje auf Nachfrage der AZ. „In welchem Umfang wir dann private Anträge bekommen, ist da jetzt natürlich noch nicht zu beurteilen“, sagt er.

Harald Benecke indes erwartet nicht nur vom Land Niedersachsen, „dass es die Streichungen irgendwie kompensiert“ und fordert auch die Abgeordneten in der Fläche auf, tätig zu werden. „Denn die Dorferneuerung ist unglaublich wichtig für die Lebensqualität.“ Aus den Dorferneuerungsprozessen in den einzelnen Ortschaften hätten sich vielfach Aktivitäten wie Arbeitskreise oder Dorffeste entwickelt, die eine Bereicherung für den ländlichen Raum sind und ihn gerade deshalb so lebenswert machen. „Das ist auf politischer Ebene manchmal gar nicht so bewusst“, vermutet Harald Benecke.

Darüber hinaus sei die Dorferneuerung auch für das heimische Handwerk von großer Bedeutung. „Zurzeit haben wir zwar eine konjunkturell bessere Situation“, so Benecke, da mögen die Betriebe auch so genügend zu tun haben. Doch in konjunkturschwachen Zeiten sei die Dorferneuerung für viele Handwerksfirmen „eine lukrative Angelegenheit“.

Von Ines Bräutigam

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