Amtsgericht verurteilt 28-Jährigen wegen Körperverletzung zu Freiheitsstrafe

Schlag aufs Trommelfell

Uelzen. „Er hat sich eine ganze Weile im ersten Gang aufgehalten, das war mir suspekt. “ Als der Einzelhandelskaufmann den Kunden am Spirituosenregal eines Suhlendorfer Supermarktes des Diebstahls verdächtigt und seine Bedenken ausspricht, schlägt der Kunde zu.

Das Trommelfell reißt. So schilderte der Verkäufer als Zeuge im Verfahren gegen einen 28-jährigen Angeklagten vor dem Uelzener Amtsgericht die Situation. Wegen gefährlicher Körperverletzung und weiterer vorangegangener Taten muss der 28-Jährige nun eine Freiheitsstrafe von elf Monaten verbüßen. Dieser Verhandlung ging schon eine noch nicht verbüßte Körperverletzung in Clausthal-Zellerfeld und ein Einbruchsdiebstahl in Uelzen voraus, die in das aktuelle Urteil einbezogen wurden.

Beim jüngsten Prozess im Februar in Uelzen habe es so ausgesehen, als ob er auf einem guten Weg sei, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Thomsen zum Angeklagten. Doch seit April befindet sich der 28-Jährige wegen weiterer Tatvorwürfe in Untersuchungshaft, die voraussichtlich noch am Landgericht Lüneburg verhandelt werden. Die Polizei ermittelt gegen ihn, weil er am 22. April unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen an der Bahnhofstraße in Uelzen einem 30-Jährigen nach einem kurzem Wortwechsel mehrfach ins Gesicht geschlagen haben soll. Als das Opfer die Flucht ergriffen habe, habe der 28-Jährige ein Taschenmesser gezogen, so die Polizei. Kurz darauf soll er an gleicher Stelle einen 44-Jährigen mit dem Taschenmesser angegriffen haben. Dieser setzte sich nach Polizeiangaben zur Wehr, so dass der Uelzener das Messer verloren habe, überwältigt und festgenommen wurde. Laut Staatsanwaltschaft Lüneburg wird dem Mann deshalb versuchter Totschlag zur Last gelegt. Und ein weiterer mutmaßlicher Fall ist ein Thema für die Ermittler. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 28-Jährige zuvor am 16. April gegenüber seiner Lebensgefährtin handgreiflich geworden sein. In seiner Verhandlung am vergangenen Freitag vor dem Amtsgericht Uelzen berichtete der junge Mann, er habe sich verlobt und sei froh, sich in Untersuchungshaft zu befinden, um dort über seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit hinwegzukommen. „Ich habe so tief drin gesteckt, drei Wochen Entgiftung hätten nicht ausgereicht“, erklärte er. „In U-Haft habe ich die Möglichkeit klarzukommen.“ Sollte es tatsächlich zu einer weiteren Anklage vor dem Landgericht kommen, sollte ein Gutachten wegen des Drogenkonsums eingeholt werden, rieten Richter und Verteidigung.

Von Diane Baatani

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare