Während der Streikwellen war die Situation für die Metronom-Belegschaft dramatischer als bislang bekannt

Schläge, Tritte und Beschimpfungen

Gewaltexzesse randalierender Fußballfans gibt es immer wieder im Metronom – doch in jüngster Vergangenheit attackierten auch Pendler die Zugbegleiter. Archivfoto: Privat

Uelzen. Grobe Beleidigungen waren an der Tagesordnung, von aufgebrachten Pendlern gab es sogar Schläge und Tritte: Die Streikwelle der Lokführer-Gewerkschaft GDL beim Uelzener Eisenbahnunternehmen hat unter Teilen der Belegschaft offenbar wochenlang für ein Klima der Angst gesorgt.

Betroffen waren vor allem die Fahrgastbetreuer, die den Zorn der Fahrgäste zu spüren bekamen, wenn streikende Lokführer auf den Bahnsteigen nicht präsent waren. „Die Lokführer waren weg und wir haben es abgekriegt“, schildert ein Zugbegleiter.

In der Öffentlichkeit will sich niemand von den Mitarbeitern äußern, intern aber wird offen darüber gesprochen, dass die Streiks das Klima unter dem Personal verändert haben. Aus dem hoch gelobten Teamgeist beim Metronom ist eine gespaltene Belegschaft geworden – auf der einen Seite die Streikenden, auf der anderen Seite die, die darunter leiden. Entsprechend hoch ist die Fluktation etwa unter den Lokführern, noch heute kann das Unternehmen nur unter Schwierigkeiten alle Züge fahren lassen.

Zwar gab es schon immer Übergriffe auf das Personal, doch die Klientel ist eine andere geworden während der Streiks. Tätliche Angriffe zur Hauptverkehrszeit durch Berufspendler, von denen manche durch die Zugausfälle um ihren Arbeitsplatz fürchteten, ließen die Situation wiederholt eskalieren. „Es kam in der Streikphase vermehrt zu verbalen, aber auch körperlichen Übergriffen von Fahrgästen auf unsere Mitarbeiter“, bestätigt Metronom-Sprecherin Tina Allerheiligen. Fünf Tätlichkeiten, nach denen die Mitarbeiter zum Teil krank geschrieben wurden, seien bekannt geworden, „wir können aber nicht ausschließen, dass es noch mehr waren“.

Für das Personal seien die Streiks eine sehr belastende und anstrengende Zeit gewesen, um das Thema Sicherheit für Mitarbeiter, aber auch für Fahrgäste werde man sich verstärkt kümmern. Schon heute fährt ab 19 Uhr privates Sicherheitspersonal in allen Zügen mit.

Unter der Belegschaft des privaten Eisenbahnunternehmens ist man jetzt froh, dass ein Schlichtungsverfahren den Tarifstreit lösen soll. „Das wurde höchste Zeit, das Betriebsklima hat extrem gelitten, die Situation war kaum noch erträglich“, schildert ein Fahrgastbetreuer der AZ.

Mit Bangen wird jetzt auf den Ausgang der Schlichtung gewartet. „Wenn das nicht hinhaut und wieder Streiks kommen, fliegt uns hier alles um die Ohren“, gibt einer die Befürchtungen wieder.

Von Thomas Mitzlaff

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