Eltern beklagen sich: Kinder stehen vor verschlossenen Türen – Erwachsene haben Vorrang

Schikane im Stadtbus

Mittags nach Schulschluss: Die Buslinien am Uelzener Rathaus sind vor allem bei Regenwetter brechend voll. Die Fahrer sind oft überfordert und schikanieren die Jüngsten, kritisieren Uelzener Eltern. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. 13 Uhr Schulschluss – Jonathan steht am Busbahnhof am Rathaus und will mit der Linie 2 fahren. Doch die Busfahrerin weist ihn ab: Der Wagen sei voll. An ihm vorbei drängen Erwachsene, die in den Bus einsteigen. Die Tür schließt vor Jonathans Nase, der Bus fährt ab.

Der Elfjährige holt sein Handy heraus und wird abgeholt. Das ist kein Einzelfall, sagt seine Mutter Kerstin Riemer aus Uelzen. „Während der Winterzeit nutzt er häufig den Stadtbus, was manchmal zu Situationen führt, die selbst mich als Erwachsene perplex zurücklässt. “.

Auch Kiara Carina Klaucke kennt solche Situationen: Schulschluss, der Bus am Rathaus ist voll, vor ihrer Nase geht die Tür zu – „weil so viele Kinder mitfahren, die nur bis zum Bahnhof wollen“, schildert sie. Für die Elfjährige heißt das: Bis zum Bahnhof laufen und – wenn sie schneller ist – dort in den geleerten Bus einsteigen oder eine spätere Linie nehmen.

In einem weiteren Fall wird sogar abgelehnt mit der Begründung, „wenn du jetzt noch einsteigst, kann an der nächsten Haltestation keiner mehr zusteigen“, berichtet Riemer. Das Kind schaltet schnell, rennt bis zur Haltestelle Post weiter und darf dort denselben Bus nutzen.

Bei seiner ersten Fahrt mit dem Bus zahlte Jonathan mit einem Zwei-Euro-Stück und erhielt eine Erwachsenen-Fahrkarte. Als er die Fahrerin darauf hinwies, dass er noch nicht zwölf Jahre alt sei, sagt diese: „Pech gehabt, das musste du nächstes Mal vorher sagen.“ Rückgeld gab sie auch im Nachhinein nicht heraus. Für die Rückfahrt fehlte dann das Geld, schon an seinem ersten Bus-Tag musste er abgeholt werden. „Warum kann bei einem Fehlbon keine Geldrückgabe erfolgen“, will Riemer deshalb vor zwei Wochen von dem zuständigen Busunternehmen Paul Schulze wissen. „Kann man mit Kindern alles machen?“

Da keine Reaktion kommt, wendet sie sich eine Woche später an die Betreiber des Öffentlichen Personennahverkehrs, die Stadtwerke. Auch dort wartet sie auf Antwort.

Auf AZ-Nachfrage kündigt Stadtwerke-Sprecher Mirco Pinske an, „das Fahrpersonal nochmals zu schulen“. 39 Sitzplätze und 60 Stehplätze zähle ein Bus. Diese Auslastung sei selten erreicht. Bei schlechtem Wetter im Winter zur Hauptfrequenz um 13 Uhr könne es allerdings schon vorkommen, dass die Busse komplett besetzt sind, gesteht Pinske ein. Da diese Fälle jedoch nicht vorhersehbar seien, „ist es sehr schwer, auch aus Kostengründen, einen zweiten Bus auf der Strecke einzusetzen“. Wer als erstes an der Tür stehe, dürfe zuerst einsteigen, und zwischen Erwachsenen und Schülern werde nicht unterschieden. Und es obliege dem Fahrpersonal zu sagen, „jetzt ist der Bus voll“. „Dass ein Fahrer bewusst Kinder stehen lässt, glaube ich nicht“, sagt Pinske. Zum Thema Wechselgeld erklärt der Stadtwerkesprecher: „Eine Stornierung von Fahrscheinen ist nicht mehr möglich, nachdem drei weitere Fahrscheine verkauft wurden.“ Wer ein falsches Ticket erhält, müsse sich sofort an den Fahrer wenden.

Die Stadtwerke wollten sich noch gestern schriftlich bei Familie Riemer für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Von Diane Baatani

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