Bad Bevensen Kurhaus-Planung: Sieger-Architekt erhebt Vorwürfe gegen Stadt

Schiebung bei Millionenbau?

+
Der schlichte Kurhaus-Entwurf des Büros Storch, Ehlers und Partner ist erst seit Oktober erste Wahl.

Bad Bevensen. Fehlende Kommunikation, Verfahrensfehler und zudem Vetternwirtschaft – Architekt Dirk Lüderwaldt erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Bad Bevensen.

Mit seinem Kölner Architekturbüro hatte er im vergangenen Jahr den von der Stadt Bad Bevensen ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen, bei dem der beste Entwurf für einen Kurhaus-Neubau gesucht wurde. Dennoch steht er jetzt mit leeren Händen dar. Denn vor zwei Monaten hatte der Rat der Kurstadt die Planungsidee des Büros Storch, Ehlers und Partner aus Hannover zum Favoriten erklärt – ein Entwurf, der im Wettbewerb hinter den drei Erstplatzierten nur mit einer „Anerkennung“ ausgezeichnet wurde (AZ berichtete). Der Erstplatzierte Lüderwaldt behält sich rechtliche Schritte gegen die Stadt vor. „Alles das, was sich jetzt abzeichnet, hätte man in der Tat einfacher haben und mit erheblich weniger Kosten für den Steuerzahler haben können“, schreibt Lüdewaldt in einem offenen Brief an die Stadt Bad Bevensen. Immerhin hatte das Kölner Architekturbüro allein für seinen Sieg 16 000 Euro Preisgeld bekommen. Lüdewaldt: „Für die jetzt favorisierte Lösung wäre kein aufwändiger Wettbewerb notwendig gewesen, hierfür hätte man nicht zwei Jahre auf allen Ebenen umsonst arbeiten müssen. “.

Zudem wirft der Architekt der Kurstadt vor, das Büro Storch, Ehlers und Partner aus Hannover im Nachhinein zum Favoriten gekürt zu haben, weil zwei der Partner aus der Region kommen und demnach im Ort „gut vernetzt“ seien.

Bad Bevensens Bauamtsleiter Roland Klewwe weist den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück, räumt aber Fehler im Verfahren ein. Richtig sei, dass das Architekturbüro Storch, Ehlers und Partner für den Wettbewerb gesetzt gewesen sei – die Stadt durfte drei Büros im Vorfeld nominieren, die restlichen zwölf Kandidaten wurden aus Bewerbungen gelost. Vor der Bewertung durch die Jury seien die Kandidaten aber anonymisiert worden. Dirk Lüderwaldt habe schlicht den gesetzten Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro nicht eingehalten – was Politik und Verwaltung aber erst gemerkt haben, als der Sieger bereits gekürt war.

Das Kurhaus Bad Bevensens entspricht nicht mehr den modernen technischen und energetischen Anforderungen. Die Stadt prüft derzeit, ob eine Sanierung oder ein Neubau sinnvoller ist. Seite 6

Von Wiebke Brütt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare