Schüler lädt Reichsflagge im Schulprofil hoch

Scharfer Angriff auf Schulleiter Kablau – kein Zusammenhang mit Abschied vom LeG

Sven Kablau sieht sich im vermeintlichen „Reichsflaggen-Skandal“ am LeG einem Angriff durch die Grüne Jugend ausgesetzt.
+
Sven Kablau sieht sich im vermeintlichen „Reichsflaggen-Skandal“ am LeG einem Angriff durch die Grüne Jugend ausgesetzt.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
    schließen

Uelzen – Die Grüne Jugend Uelzen übt in einem offenen Brief scharfe Kritik an Sven Kablau. Der verlässt das LeG am Monatsende – ohne dass es aber irgendeinen Zusammenhang gäbe. Der berufliche Wechsel war schon weit früher fest in trockenen Tüchern, konnte aber jetzt erst kommuniziert werden.

Der Schulleiter des Lessing-Gymnasiums ist Adressat des Schreibens, weil ein Schüler, dessen Familie angeblich der rechtsextremen Gruppe „Völkische Siedler“ zuzuordnen sei, in seinem Schulprofil eines Online-Tools „eine Reichsflagge mit der Aufschrift ,150 Jahre Reichsgründung‘ hochgeladen“ habe, so die Grüne Jugend, die lokale Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen.

Die Flagge in Schwarz-Weiß-Rot war von 1871 bis 1919 die Nationalflagge des Kaiserreichs unter Wilhelm I. , aber von 1933 bis 1935 zusätzlich auch die Flagge des Dritten Reiches.

Der Schulleiter geht

Sven Kablau hat am Dienstag (9. Februar) das Kollegium und am Mittwoch (10. Februar) die Schüler- wie Elternschaft darüber informiert, dass er das Lessing-Gymnasium verlässt. Er wechselt mit Wirkung zum 1. März ins Dezernat 3 des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung (RLSB) in Lüneburg. Wer am Ilmenauufer seine Nachfolge als Schulleiter antritt, ist noch nicht entschieden. Kablau selbst war zum 1.8.2011 auf Hans-Joachim Lepel gefolgt. Auf der Homepage der Schule ist inzwischen der Brief des scheidenden Schulleiters veröffentlicht worden, der unten auch im Wortlaut steht. Ein Zusammenhang zwischen Kablaus Abschied nach so vielen Jahren am LeG und seiner neuen beruflichen Orientierung besteht ausdrücklich nicht, wie auch aus dem verlinkten Brief mit dem Blick auf das lange Auswahlverfahren für die neue Beschäftigung hervorgeht.

Die Reaktion darauf durch die Schulleitung bezeichnet die Grüne Jugend als „unzureichend“. Der Missstand sei an das LeG und seinen Schulleiter herangetragen worden. Dass aber Konsequenzen ausgeblieben seien, habe die Grüne Jugend schockiert. Die Flagge bringe eine Gesinnung zum Ausdruck, die nicht mit demokratischen Grundwerten vereinbar sei. Man fordere die Schule auf, die Flagge zu entfernen und weitere Maßnahmen einzuleiten.

Weiter heißt es in Richtung Sven Kablau: „Wer meint, dass ,Fridays for Future‘ und Völkische Siedler gleichzusetzen und dann alle politischen Symbole zu verbieten sind, hat die Gefahren des Rechtsextremismus für unsere Gesellschaft nicht erkannt. Die Schule muss sich klar antifaschistisch positionieren.“

Kablau selbst, der bei Veranstaltungen des Lessing-Gymnasiums wiederholt eben diese Position betont hatte, verwies gestern auf Anfrage der AZ an Bianca Trogisch. Die Pressesprecherin der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung (RLSB) teilte dann am frühen Abend mit, dass Kablau als erste Reaktion auf den Fall einen Brief an den gesamten Jahrgang formuliert habe. Darin komme er zum Schluss, dass „auch wenn die Verwendung der Flagge des Kaiserreichs kaum als Ausdruck eines auf die Zukunft gerichteten Denkens angesehen und stattdessen mit unangenehmen Assoziationen verbunden werden kann (z.B. zur politisch und historisch verwirrten sogenannten „Reichbürger“-Szene), es sich nicht um ein verbotenes Symbol handelt“.

Das RLSB Lüneburg sieht ebenfalls keine strafrechtliche Handlung. Man habe das LeG aber beraten, die Nutzungsordnung für das verwendete Online-Tool zu überarbeiten. Darüber hinaus biete es sich an, die Flagge und ihre Bedeutung im Unterricht zu behandeln und damit Irritationen zu begegnen.

Die Stellungnahme des RLSB im Wortlaut

„Das Lessing-Gymnasium Uelzen hat uns gestern Abend (Anm. d. Red.: Dienstag, 9.2.) darüber informiert, dass ein Schüler der Schule in seinem Schulprofil eines Online-Tools als Profilbild die Reichsflagge mit dem Schriftzug ,150 Jahre Reichsgründung‘ verwendet. Der Schulleiter hat darauf reagiert, indem er einen Brief an alle Schülerinnen und Schüler des betreffenden Jahrgangs formuliert hat. Unter anderem kommt er darin zu dem Schluss, dass ,auch wenn die Verwendung der Flagge des Kaiserreichs kaum als Ausdruck eines auf die Zukunft gerichteten Denkens angesehen und stattdessen mit unangenehmen Assoziationen verbunden werden kann (z.B. zur politisch und historisch verwirrten sogenannten „Reichbürger“-Szene), es sich nicht um ein verbotenes Symbol handelt‘.

Auch das RLSB Lüneburg sieht hier keine strafrechtliche Handlung, etwaige Ordnungsmittel sind hier auch nicht angezeigt. Vielmehr haben wir die Schule dahingehend beraten, die Nutzungsordnung für das genutzte Online-Tool ggf. zu überarbeiten, so dass genaue Vorgaben zur Verwendung von Bildern in einem im klasseninternen Kontext genutzten Profil gemacht werden. Darüber hinaus bietet es sich an, die Flagge und ihre Bedeutung im Unterricht zu behandeln und damit den Irritationen, die die Flagge bei den Schülerinnen und Schülern augenscheinlich ausgelöst hat, zu begegnen.“

Der Brief des scheidenden Schulleiters im Wortlaut

Liebe Schülerinnen und Schüler,  liebe Eltern, 

im August 1980 habe ich das Lessing-Gymnasium Uelzen das erste Mal betreten, wurde Schüler einer 5. Klasse und habe die Schule dann mit dem Abitur 1989 verlassen. Wie sich zeigen sollte aber nur für einen gewissen Zeitraum… Nach dem Wehrdienst zog ich nach Hamburg-Harburg, studierte Russisch und Chemie für das Lehramt, beendete das Studium, arbeitete ein Jahr lang als Erzieher in einem Grundschulhort und absolvierte dann mein Referendariat an einer Gesamtschule und einem Gymnasium in Harburg. Dann ereilte mich wieder der Ruf des Lessing-Gymnasiums Uelzen: Ich kehrte 1999 als Lehrer an meine geliebte Schule zurück, wurde Sammlungs- und Fachschaftsleiter, auch Personalratsvorsitzender, dann Oberstufenkoordinator und schließlich 2011 Schulleiter. Für mich tatsächlich ein unvorstellbares Glück, so lange in so vielen verschiedenen Positionen und mit so verschiedenen Aufgaben für das Lessing-Gymnasium Uelzen tätig sein zu können. 

Und jetzt werde ich am 26. Februar 2021 meinen letzten Arbeitstag in der Schule haben. Ich werde ab dem 01. März im Dezernat 3 des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung (RLSB) in Lüneburg eine neue Aufgabe wahrnehmen. 

Leider muss ich Euch bzw. Sie so kurzfristig informieren, aber das Bewerbungs- und Auswahlverfahren folgt klaren Abläufen und ich konnte erst an die Öffentlichkeit treten, als der Wechsel wirklich definitiv feststand. Ich habe mich zwar beworben, es ist eine bewusste Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, aber mir fällt der Abschied natürlich dennoch extrem schwer. Diese Schule ist mir ans Herz gewachsen, die Zusammenarbeit mit Euch bzw. Ihnen hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich bin gerne Schulleiter des Lessing-Gymnasiums Uelzen gewesen. Aber der bekannte Ausspruch, dass „alles seine Zeit hat“, trifft zu. Nach so vielen Jahren am Lessing-Gymnasium Uelzen habe ich noch einmal die Möglichkeit, etwas Neues anzufangen und in der „Behörde“ zu arbeiten. Darauf freue ich mich auch sehr und werde dennoch wahrscheinlich noch für lange Zeit ganz traurig darüber sein, Euch und Sie nicht mehr zu treffen und zusammen an unserer und für unsere Schule zu arbeiten. 

Ich bedanke mich für die vielen Jahre der vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit! Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Schulzeit und Ihnen eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und der Schulleitung des Lessing-Gymnasiums Uelzen! Sven Kablau, Schulleiter

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare