Streit um Abschuss

Schafzüchter schreiben dem Umweltminister: Wolfsberater sollen gehen

+
Wölfe in Niedersachsen: Sie erregen die Gemüter.

Uelzen/Hannover – Im Streit zum Umgang mit den Wölfen in Niedersachsen wird der Ton zusehends rauer: Nun fordern vier niedersächsische Schafzuchtverbände, dass Umweltminister Olaf Lies 14 Wolfsberater abberuft.

Der Grund: Die Wolfsberater hatten sich in einem offenen Brief an den Minister zum Abschuss eines Wolfsrüden aus dem Kreis Nienburg geäußert, der sich auffällig verhält.

Unter den Unterzeichnern befinden sich mit Theo Grüntjens und Katja Hildebrandt-Mertins auch Wolfsberater für den Landkreis Uelzen.

Nach Auffassung der Schafzüchter sollen sich die Wolfsberater in ihrem offenen Brief angeblich gegen einen Abschuss des sogenannten Rodewalder Wolfes ausgesprochen haben. Sie würden damit die für das Amt des Wolfsberaters gebotene Neutralität vermissen lassen und müssten abberufen werden.

Die Wolfsberater, so heißt es von den Schafzüchtern, sollen – wie der Name sagt – beraten. Dafür sei ein Vertrauensverhältnis entscheidend. „Durch diesen offenen Brief der Wolfsschützer ist dieses Vertrauensverhältnis jetzt nachhaltig erschüttert.“

Und was sagen die betroffenen Wolfsberater zur Forderung einer Abberufung? Theo Grüntjens weilt derzeit im Ausland, Katja Hildebrandt-Mertins wollte sich gestern nicht äußern. Aus dem Nachbarkreis Lüneburg zählt die Wolfsberaterin Ulrike Kressel zu den Unterzeichnern des besagten offenen Briefes und wehrt sich gegen den Eindruck, die Verfasser hätten sich gegen einen Abschuss des Wolfes ausgesprochen.

Mit dem Brief habe man deutlich machen wollen, dass es in dem genannten Fall noch offene Fragen gebe. Gerade ein Abschuss müsse „rechtlich und fachlich“ einwandfrei begründet sein, so Kressel gegenüber der AZ. Und sie erinnert daran, dass Wolfsberater von Bürgern auf die Situation angesprochen würden und dann die wichtigsten Informationen auch für eine Auskunft bräuchten.

Das Umweltministerium machte gestern keine Anstalten, der Forderung der Schafzüchterverbände nachkommen zu wollen. Olaf Lies rief dazu auf, nicht weiter Front gegeneinander zu machen, sondern „aufeinander zuzugehen und weiterhin konstruktiv zusammenzuarbeiten“.

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare