Schafsrisse in Grünhagen: Wolfsexperte fordert mehr Schutzmaßnahmen / Hilfe für Betroffene

„Keine Schauermärchen verbreiten“

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Zwei Wolfsrudel streunen durch die Lüneburger Heide. Nutztierhalter sollen Schutzmaßnahmen treffen.

Grünhagen/Landkreis. Drei Angriffe innerhalb von einer Woche – 15 Schafe hat ein Landwirt aus Grünhagen seit dem 21. Oktober verloren. Die Tiere standen auf einer Weide nahe der Ilmenau und starben durch Verletzungen an Kopf und Körper.

Ob ein wildernder Hund oder ein Wolf die Tiere gerissen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. DNA-Proben, die im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – kurz NLWKN – vorliegen, sollen Klarheit bringen. Untersuchungen der Tierkadaver legen die Vermutung nahe, dass es sich zumindest bei einem der drei Fälle um einen Wolf gehandelt haben kann.

Wolfsichtungen im AZ-Gebiet

Der Medinger Wolfsexperte Klaus Bullerjahn war nach zwei der drei Risse vor Ort und mahnt vor vorschnellen Schlüssen: „Ich bin der Meinung, beim ersten Vorfall deuten Verletzungen und Umstände des Angriffs eher auf einen Hund als auf einen Wolf hin.“ Zahnabstände und Position der Wunden würden nicht zu einem Wolf passen. „Die Bissverletzungen im Halsbereich waren zum Beispiel nicht groß – gerade einmal handflächengroß.

Außerdem waren die Bisse wenig zielgerichtet“, erklärt Bullerjahn. „Der Wolf frisst sicher Schafe, aber er frisst diese eben auch, so er ungestört ist. In Grünhagen gibt es wenig überzeugende, gefressene Mengen und etliche Angriffe gegen Schafskehlen, die keinen Tod der Tiere zur Folge hatten. Ein Dilettantismus, den sich kein Wolf in der Wildbahn erlaubt, was der Wolf an der Kehle packt, bringt er auch zu Boden.“

Als Bullerjahn drei Tage später das zweite Mal zum „Tatort“ nach Grünhagen gerufen wurde, gab es jedoch einige Hinweise, die in Richtung Wolf deuteten: Die zugefügten Wunden an den vier toten Schafen waren größer, die Beutetiere insgesamt schwerer als noch beim ersten Vorfall. Außerdem fanden Bullerjahn und Mitarbeiter des Veterinäramtes „klassische Wolfsfährten“ vor. Bullerjahn entnahm DNA-Proben, die nun in Hannover untersucht werden. Gleiches tat sein Kollege Uwe Martens, Wolfsberater aus dem Landkreis Lüneburg, der nach dem dritten Angriff auf Vogelsangs Schafherde weitere Kadaver untersuchte. Wird nachgewiesen, dass es sich um Wolfsangriffe handelte, gibt es möglicherweise Geld vom Land (siehe blauer Kasten)

Klaus Bullerjahn betont jedoch: „Wir sollten keine Schauermärchen verbreiten, sondern auf Schutzmaßnahmen hinweisen.“ Denn es gebe etwa fünf Millionen Hunde, teils frei laufend oder wildernd, in Deutschland und etwa 30 Wölfe im Nordwesten Niedersachsens. Die Schutzmaßnahmen gegen Hunde und Wölfe seien die gleichen. Elektrozäune, Flatterband, Herdenschutzhunde und Unterwühlschutz an den Wildgattern würden die Herden vor unerwünschtem Besuch schützen. Die Elektrozäune sollten laut Wolfsexperten 90 Zentimeter hoch sein. Wer keinen Strom für den Schutz der Schafe einsetzen möchte, sollte 120 Zentimeter hohe Schutzzäune einsetzen – Koppeln aus festem Maschendraht oder Knotengeflecht zum Beispiel. Ein weiterer Sicherheitshinweis: Gewässer sollten extra abgesperrt werden, weil sie für Wölfe und Hunde kein Hindernis sind.

Weitere Informationen zum Schutz der Herden vor Wölfen und Hunden gibt es im Internet unter www.jaegerschaft-uelzen.de unter dem Stichwort „Wolf“.

von Wiebke Brütt

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