Verkehrsclub fordert Rübentransporte auf der Schiene / Zuckerfabrik Uelzen: Lkw-Verkehr ist billiger

Saure Mienen um die süße Fracht

2,45 Millionen Tonnen Zuckerrüben werden bis zum Ende der Saison im Januar 2012 per Lkw oder Schlepper zur Uelzener Zuckerfabrik gebracht. Um die Straßen zu entlasten, spricht sich der Verkehrsclub Deutschland für den Transport auf der Schiene aus. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Die Rübenkampagne im Kreis Uelzen läuft derzeit auf Hochtouren. Insgesamt rund 2,45 Millionen Tonnen Zuckerrüben, verteilt auf etwa 95 000 Lkw- und Schlepper-Fuhren, rollen bis Mitte Januar zur Uelzener Zuckerfabrik – ein Großteil davon über die Bundesstraße 4.

Deshalb fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) jetzt, Rüben wieder stärker mit der Bahn und nicht auf der Straße zu transportieren.

Die hohe Zahl der landwirtschaftlichen Fahrzeuge während der Rübensaison stelle ein Verkehrsrisiko dar, erklärt der niedersächsische VCD-Landesvizechef Hans-Christian Friedrichs. „Diese Transporte gehören über die Schiene abgewickelt“, betont er. Es sei „ein Unding“, dass Lkw und Schlepper über weite Distanzen Rüben transportieren, „während viele Bahnverladestationen im Dornröschenschlaf liegen“. Inzwischen werde keine einzige Rübe mehr per Bahn abgefahren.

Zudem fordert der VCD von der Landespolitik einen runden Tisch, um mit allen Beteiligten über die rasche Rückverlagerung von Rübentransporten auf die Schiene zu diskutieren. Im Fall Uelzens müsse der Pilotversuch der Anlieferung per Bahn aus dem Jahr 2005 dauerhaft in die Tat umgesetzt werden, bekräftigt Friedrichs. „Es kann nicht sein, dass die hohen Belastungen der Menschen an der B 4 billigend aufrecht erhalten werden, obwohl bessere Lösungen in der Schublade liegen.“

1992 wurden zum letzten Mal Rüben aus Niedersachsen mit der Bahn in die Uelzener Zuckerfabrik geliefert. Umschlagplatz war dabei der Hafen. Beim Pilotprojekt vor sechs Jahren kam die süße Fracht dagegen ausschließlich aus Schleswig-Holstein, berichtet Georg Sander, Rübenmanager des Nordzucker-Werkes in der Uhlenköperstadt. Er hält eine Wiederaufnahme des Bahntransportes für nicht sinnvoll. „Laut Zuckermarktordnung übernehmen wir die Kosten für die Rüben-Anlieferung, und die sind auf der Schiene deutlich höher als mit Lastwagen“, erläutert er.

Obwohl die Uelzener Zuckerfabrik die Bahnstrecke durchschnittlich nur 130 Tage pro Rübensaison nutzte, habe sie Gebühren für ein ganzes Jahr an die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) zahlen müssen, ergänzt Werksleiter Sven Buhrmann. „Für uns war das einfach zu teuer.“ Außerdem sei der Lkw-Transport wesentlich flexibler als der Schienenverkehr. Zurzeit steuern die Rüben-Laster die Zuckerfabrik nämlich rund um die Uhr an und entzerren damit den Straßenverkehr. Dagegen hatte die Bahn dem Unternehmen ein sehr enges Zeitfenster für das Entladen der Waggons gesetzt.

Auch logistisch sei der Schienentransport zu aufwändig, meint Sander. „Die Verladestationen an den Bahnhöfen gibt es nicht mehr. Es wäre völlig unrealistisch, diese vor Ort wieder komplett aufzubauen und zu unterhalten.“ Ohnehin würde der Schienenverkehr den Transport auf der Straße nicht vollständig ersetzen. Schließlich müssten die Landwirte ihre Fracht zunächst per Lkw von den Feldern zu den Umschlagplätzen bringen, erklärt Sander.

Seiner Ansicht nach stellen die Rübenlaster auch keine außergewöhnliche Gefahr für den Straßenverkehr dar. „Wir haben jedes Jahr nur sehr wenige Wege-Unfälle“, sagt er. 2009 waren es insgesamt vier, im Jahr darauf nur einer. Nicht zuletzt stammten rund 70 Prozent der in Uelzen eintreffenden Zuckerrüben – etwa 1,7 Millionen Tonnen – aus einem Umkreis von lediglich 40 bis 50 Kilometern.

Von Bernd Schossadowski

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