„In Ruhe durch den Kopf gehen lassen“

Hans-Christoph Seebohm

Uelzen - Von Marc Rath. „Das sollten wir uns in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, bevor wir Namen finden, die gut und akzeptabel sind“, sagte Bürgermeister Otto Lukat (SPD) gestern zu der Straßennamen-Diskussion, die nach der Entscheidung des Stadtrates in die nächste Runde geht. Der Kulturausschuss werde darüber nach der Sommerpause beraten.

Mitglieder der SPD/FDP-Gruppe und die Fraktion der Grünen hatten am Montag mit jeweils 20 zu 17 Stimmen für eine Umbenennung der Farina- und Seebohmstraße votiert. Die Gruppe hatte zuvor die Abstimmung freigegeben. So stimmte bei der Farinastraße Brigitte Schufmann (SPD) gegen eine Umbenennung, während FDPler Jörg Firus für die Beibehaltung der Seebohmstraße votierte. Bei beiden Entscheidungen sagten Jörg Schirrmeister (SPD) und Gerald Röpe (FDP) Nein zur Namensänderung.

Der mit Spannung erwarteten Abstimmung war eine fast einstündige Diskussion voraus gegangen, in der mehrere Abgeordnete auch sehr persönliche Gründe für ihr Abstimmungsverhalten deutlich machten.

Bürgermeister Otto Lukat (SPD) begründete noch einmal sein Nein für die Beibehaltung der bisherigen Namen (AZ berichtete). Gleichwohl würdigte das Stadtoberhaupt die Verdienste des langjährigen Bürgermeisters Johann Maria Farina, „die man ihm auch nicht aberkennen kann“.

Beim ehemaligen Bundesminister und Vertriebenenfunktionär Hans-Christoph Seebohm diene eine Umbenennung „der politischen Hygiene“, betonte Lukat: „Wer hier aber von ,Nazi-Straßen‘ spricht, geht an der Ernsthaftigkeit des Themas vorbei.“ Der Bürgermeister bekräftigte, sich vor jedes Ratsmitglied zu stellen, das anders als er abstimme und dadurch Angriffen ausgesetzt werde. SPD-Fraktionschef Ralf Munstermann verwies auf das „Recht jeder Generation“, bei neuen Erkenntnissen auch zu neuen Beschlüssen zu kommen. CDU-Ratsherr Peter Lücke sprach dagegen von einer aufgezwungenen Diskussion „durch die Linken“ und appellierte: „Stimmen Sie so ab, wie die schweigende Mehrheit abstimmen würde.“

Zu einer von der Initiative „Keine Nazi-Straßen in Uelzen“ vorgesehenen öffentlichen Auktion der Straßenschilder mit anschließender Vernichtung wird es dagegen nicht kommen. „Wir erkennen den satirischen Wert an, meinen aber, dass wir auf dem realistischen Boden des normalen Umgangs bleiben wollen“, erteilte Lukat dem Vorhaben eine Absage.

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