2012 tödlicher Unfall auf B 71

Uelzener betrunken am Steuer: Rückfall nach vielen Jahren

Ein Mann aus Uelzen stand jetzt erneut vor Gericht, weil er sich stark alkoholisiert ans Steuer seines Autos gesetzt hatte.
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Ein Mann aus Uelzen stand jetzt erneut vor Gericht, weil er sich stark alkoholisiert ans Steuer seines Autos gesetzt hatte.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Jener Uelzener, der im August 2012 auf der B 71 zwischen Groß Liedern und Hanstedt II alkoholisiert einen Roller mit seinem Transporter erfasst und schlussendlich den Tod einer 17-Jährigen zu verantworten hatte, stand jetzt erneut wegen einer Trunkenheitsfahrt vor dem Amtsgericht Uelzen.

Uelzen – Rückfall nach vielen Jahren: Der 51-Jährige hatte sich laut Anklage am 15. Juli vergangenen Jahres ans Steuer seines VW gesetzt, obwohl er betrunken gewesen war. Obendrein war er nach dem tragischen Unfall von damals nicht wieder im Besitz einer Fahrerlaubnis gewesen. Das Fahrzeug war auch nicht versichert oder zugelassen.

Der verheiratete Vater zweier Kinder vertrat sich vor Gericht selbst – und redete gar nicht erst um den heißen Brei herum: „Ich habe Mist gebaut und muss dazu stehen. Es tut mir wahnsinnig leid, es wird nicht mehr vorkommen – dafür garantiere ich.“ Er räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein, zeigte dabei laut Richterin Koertge glaubhaft Reue wie Einsicht.

Kündigung lag im Briefkasten

Er habe am Vortag im Briefkasten die coronabedingte Kündigung gefunden. „Eine halbe Stunde später wurde meine Katze überfahren, die ich mit der Flasche aufgezogen habe. Sie ist abends gestorben. Ich war so blöd und habe zum Alkohol gegriffen. Der Tag hat mir das Genick gebrochen, ich war richtig fertig. Es ist eine Dummheit gewesen“, sagte der Uelzener.

Ans Steuer hatte er sich am besagten Nachmittag in Rätzlingen offenbar erst gesetzt, als ihn ein Kollege versetzt hatte. Morgens hatte man gemeinsam das Auto, das abends verkauft werden sollte, auf einem Anhänger in eine Werkstatt gebracht. Abholen wollte der Bekannte den Pkw dann aber plötzlich entgegen der Verabredung nicht mehr, weil er selbst Alkohol konsumiert hatte. „Dann mache ich es halt alleine“, hatte sich der 51-Jährige gesagt, um Stunden später den Wagen wie vereinbart verkaufen zu können.

Prompt fiel er um 16.25 Uhr an diesem 15. Juli einer Zivilstreife der Polizei auf, die in der Ortschaft an einer Kreuzung zwischen Rätzlingen und Hanstedt den Verkehr beobachtete. „Er war uns aufgefallen, weil er augenscheinlich zu schnell war. Wir hatten Mühe und Not, an ihn heranzukommen“, schilderte ein Polizeibeamter des Kommissariats Uelzen am Donnerstag vor Gericht. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,37 Promille. Das Ergebnis der Blutprobe fiel dann mit 1,49 Promille sogar noch höher aus.

Als die Richterin dann die Eintragung aus dem Bundeszentralregister zur fahrlässigen Tötung durch Trunkenheit im Verkehr in die Verhandlung einführte, wurde der Angeklagte noch einmal spürbar ruhiger. Damals hatte er häufiger getrunken, auch an jenem Tag 2012 vor der Heimfahrt von einem Freund. Deshalb übersah er nach damaliger Überzeugung des Amtsgerichts Uelzen einen Roller, auf dem ein Mann mit seiner Tochter unterwegs war. Er erfasste die beiden mit seinem Transporter, die Jugendliche erlag später ihren schweren Verletzungen. Der Uelzener wurde 2013 zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Sein Versuch, 2015 die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) zu bestehen, um noch einmal den Führerschein zurückbekommen zu können, schlug fehl.

Sperrfrist für den Führerschein

Aktuell wollte der 51-Jährige einen zweiten Anlauf dazu unternehmen – doch daraus wird nichts: Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Lüneburg forderte in seinem Plädoyer eine Sperrfrist für 24 Monate gegen den Wiederholungstäter sowie eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 22 Euro. Richterin Koertge folgte in ihrem Urteil weitestgehend diesem Antrag. Der Mann darf ab Rechtskraft des Urteils zwei Jahre lang nicht den Führerschein machen und muss 90 Tagessätze à 14 Euro als Geldstrafe zahlen.

„Ich möchte vor allem, dass Sie wissen, dass das heute auch ganz anders hätte ausgehen können. Sie haben damals betrunken jemanden totgefahren, und das hätte wieder passieren können. Sollte sich so etwas noch einmal wiederholen, dann kommen Sie sicher nicht mehr mit einer Geldstrafe davon, und ich weiß auch nicht, ob eine Strafe dann noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann“, redete die Richterin dem Mann ins Gewissen, der aktuell arbeitssuchend ist.

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