Ein Kaltblüter im Ruhestand

Rückepferd Edold erhält neues Zuhause beim Gnadenhof in Zernien

Es braucht etwas Zeit, doch die Möhren locken den 23-jährigen Pferderentner Edold dann doch. Geburtstag hat er am gleichen Tag wie Förster Thomas Göllner: „Das hat uns immer sehr verbunden.“
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Es braucht etwas Zeit, doch die Möhren locken den 23-jährigen Pferderentner Edold dann doch. Geburtstag hat er am gleichen Tag wie Förster Thomas Göllner: „Das hat uns immer sehr verbunden.“

Uelzen/Zernien – Nur langsam setzen sich die rund 850 Kilo in Bewegung. Edold, Rückepferd im Ruhestand, scheinen die Möhren, die Stadtförster Thomas Göllner ihm mitgebracht hat, zunächst kaum zu interessieren.

Das ruhige Wesen liege in der Natur der Kaltblüter, weiß Göllner. Daher seien sie auch ideal für die Waldarbeit, etwa beim Transport der gefällten Bäume, geeignet. „Da braucht man die Kraft, aber auch die Ruhe der Tiere“, sagt der 55-Jährige.

Diese Arbeit hat Edold hinter sich. Im Dezember 2019 hat er nach fast 20 Jahren Dienstzeit nun ein neues Zuhause beim Gnadenhof in Zernien gefunden, wo man sich um alte und ausgediente Pferde kümmert. Die Rückepferde seien, so Göllner, nicht nur bei ihm als Förster, sondern auch in der Politik als Mitarbeiter angesehen, weshalb sie sich auch ihren Ruhestand verdienen würden.

Doch der Abschied fiel nicht leicht: „Wir waren schon etwas gerührt. Die gehörten einfach dazu“, sagt Göllner. Bereits zwei Jahre zuvor wurde Edolds Kollege Moritz aufgrund einer Krankheit aus dem Dienst genommen, ist jedoch inzwischen gestorben.

Auf dem Gnadenhof hat man Edold gerne bei sich. „Er ist ein Schatz“, sagt etwa Marion Fricke, ehrenamtliche Helferin. „Wir haben ihn alle sehr ins Herz geschlossen.“ Darüber freut sich auch Thomas Göllner: „Schön, dass er sich hier so eingelebt hat. Und mit Blick auf Edolds geschorene Mähne fügt Göllner lachend hinzu: „Der Schönheitsaspekt ist bei uns natürlich ein bisschen kürzer gekommen. Hier hat er ja Wellness.“

Nun befindet man sich auf der Suche nach neuen Rückepferden. Denn für die Waldarbeit sind diese laut Göllner zwar teurer als Maschinen, bieten aber unter anderem durch Schonung des Waldes und Vermeidung von Schadstoffen einige Vorteile. Auch bei den Bürgern Uelzens seien die Pferde immer gut aufgenommen worden, so Göllner. Daneben hat der Einsatz von Rückepferden in Uelzen Tradition: Seit 1985 sind die Kaltblüter im Stadtforst im Einsatz. Und die Arbeit soll fortgeführt werden. Göllner: „Wir hoffen, dass wir bis zum Herbst an neue Pferde gekommen sind.“

VON DANIEL BIELING

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