Der rot-grüne Riss

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Tischtuch zerschnitten? Der Ton im Streit zwischen SPD und Grünen ob Raimund Nowak (Grüne, links) oder Jürgen Kumböhmer (SPD) oder beide als Landratskandidat antreten sollen, wird rauer.

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. Das ohnehin eher kühle Klima zwischen Rot und Grün auf Kreisebene ist jetzt in frostige Minusgrade abgerutscht. Nachdem der ehemalige Grünen-Landessprecher Raimund Nowak mit einer parteiunabhängigen Unterstützer-Initiative im Rücken seine Landrats-Kandidatur erklärt hatte und daraufhin der Kreisvorstand der Grünen in einem recht keck gehaltenen Brief an die SPD appelliert hat, ihren Bewerber Jürgen Krumböhmer zurückzuziehen (AZ berichtete), hält SPD-Unterbezirksvorsitzender Klaus-Peter Dehde nun mit einem Einseiter dagegen.

Gegenüber den „lieben Freundinnen und Freunden“ empört sich Dehde gleich zu Beginn, dass die Sozialdemokraten „zum wiederholten Mal eure Meinung aus der AZ erfahren“ mussten. „Politik ist die Kunst der Synthese“, stellt der SPD-Chef fest und fährt kühl fort: „Wir nehmen zur Kenntnis, dass ihr an eurer Forderung festhaltet, dass wir Raimund als gemeinsamen Kandidaten unterstützen sollen.“

Dehde reklamiert für die SPD einen inhaltlichen Politikwechsel. „Von euch ist zu Inhalten nichts zu hören. Stattdessen geht es immer wieder nur um eine Personalie“, beklagt er in dem Schreiben, das nur von seiner Stellvertreterin Sylvia Meier mit unterzeichnet worden ist. Die Unterschrift des zweiten gleichberechtigten Dehde-Stellvertreters und Vorsitzenden des SPD-Kreistagsfraktion, Jacques Voigtländer, fehlt hingegen.

Eine Konzentration auf (s)eine Person ist dem ehemaligen Landtagsabgeordneten aus Neu Darchau indes auch nicht fremd. Gleich drei Dehde-Portraits (davon zwei identische) fallen direkt ins Blickfeld, wenn man die Frontseite des Onlineauftritts des SPD-Unterbezirks aufruft.

Den zu Jahresbeginn aufgekommenen SPD-Vorschlag eines „öffentlich ausgetragenen Vorwahlkampfes der beiden Kandidaten“ hatten die Grünen zu Dehdes Bedauern zurückgewiesen. Allerdings hatte er in den „Neujahrsgrüßen den UB-Vorsitzenden“ bereits eine eindeutige Parole ausgegeben: „Es muss auch darum gehen, an die Spitzen der Verwaltungen z.B. im Landkreis (...) sozialdemokratische Hauptverwaltungsbeamte zu wählen.“

Unter der Fragestellung „Was sollen wir daraus folgern“, teilt Dehde in seinem Brief in Richtung des einstigen Wunschpartners nunmehr kräftig aus: „Entweder steuern die Grünen im Landkreis Uelzen mit Verve und Kalkül auf eine Koalition mit der erodierenden CDU im Kreistag zu und die gewählte Form der Kommunikation dient dazu, den blassen Kandidaten der CDU als Landrat durchzusetzen, oder die Kandidatur von Raimund wird von einem politisch unbedarften Kreisvorstand und Kandidaten unprofessionell transportiert. Beide Varianten sind nicht im Interesse eines Politikwechsels für die Menschen im Landkreis Uelzen.“

Die rot-grünen Winkelzüge werden auch im Nachbarkreis Lüneburg aufmerksam beobachtet, wo SPD-Bewerber Jürgen Krumböhmer als ein über Parteigrenzen hinweg anerkannter Erster Kreisrat agiert. Der Coup der Grünen bringe Krumböhmer in „eine Rolle, die der Stratege für sich nicht vor- und schon gar nicht vorhergesehen hat“, kommentiert die Landeszeitung (LZ) dies mit Bildern aus dem Schachspiel: „Tapfer muss sich Krumböhmer nun schlagen – in einer Schlacht,die er nur schwer gewinnen kann“, verweist die LZ noch auf einen weiteren Zug bei Krumböhmers Landrats-Kandidatur – „wenn er verliert, ist auch Lüneburg für ihn verloren, kann er zur Landratswahl 2014 im eigenen Haus kaum noch antreten“.

Dehde hingegen präsentiert sich frei von Selbstzweifeln. Im „Wettbewerb um die besten Lösungen für Menschen“ im Landkreis Uelzen sei die SPD „gut aufgestellt – inhaltlich und personell“ betont er und schickt den Grünen eine Offerte per Giftpfeil zu: „Solltet ihr euch zukünftig entscheiden, euch für die Menschen und für den Politikwechsel im Landkreis Uelzen einzusetzen, laden wir euch erneut ein, endlich über Inhalte zu sprechen.“

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