Thomas Schulz ist querschnittgelähmt – doch er reist in ferne Länder

Im Rollstuhl um die halbe Welt

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Nach einem Unfall vor 13 Jahren sitzt Thomas Schulz im Rollstuhl – das hindert ihn nicht daran, Reisen in entfernte Länder zu unternehmen. Er will davon berichten. 

Uelzen/Heuerstorf – Die Flüge sind gebucht. Ende des Monats reist Thomas Schulz nach Ägypten. Ab Ende November will er mehrere Monate in Thailand verbringen. Dass er im Rollstuhl sitzt, hindere ihn nicht, sagt er.

Der 55-Jährige will in der kommenden Woche von seinen Reisen berichten. Er will anderen Menschen mit Handicap zeigen, dass sie Aufenthalte im Ausland nicht fürchten müssen. Mehr noch: Dass sie hilfreich sein können für einen selbst. „Sie geben mir ein Freiheitsgefühl“, sagt Schulz.

Ein Verkehrsunfall vor knapp 13 Jahren hat sein Leben auf den Kopf gestellt – er ereignete sich im Ausland. In Thailand war er auf einem Roller unterwegs. An mehr kann er sich nicht mehr erinnern. Die Verletzungen, die er erlitt, waren schwerwiegend. „Ich war so gut wie tot. Mir wurde eine Überlebenschance von einem Prozent eingeräumt, als ich in den OP-Saal geschoben wurde.“

Schulz hat überlebt. Nun auf dem Hof zu sitzen und darauf zu warten, dass der Tag vorübergehe, das sei nicht seine Sache, sagt er. Vor dem Unfall arbeitete Schulz als Tauchlehrer und er ist es auch heute noch. Kaum dass er aus den Kliniken entlassen worden war, hat er eine Zusatzausbildung absolviert. So ist er auch selbst noch aktiver Taucher. Er nutzt die Arme im Wasser.

Das klingt nach Teilhabe am Leben. Nach einem starken Willen. So einfach ist es aber dann doch nicht. Schulz ist ab Höhe des Brustbeins abwärts gelähmt. „Du fährst von 100 auf Null runter. Der Lebensablauf ist ein anderer“, schildert Schulz.

Es habe die Momente gegeben, in denen er dachte: Lasst mich alle in Ruhe. „Letztlich bin ich aber nicht der Typ, der sich einigelt.“ Familie und Freunde hätten das auch nicht zugelassen. Er erfahre große Unterstützung. „Das gesunde Umfeld ist wichtig für einen.“

Schulz lebt im Elternhaus in Heuerstorf mit seiner Mutter zusammen. Der Bruder ist nun auch Tauchlehrer. Im Winter entkommt Schulz dem nassen Klima, indem er nach Thailand reist und dort mit einem Freund Tauchunterricht gibt. Er nennt Thailand seine zweite Heimat, in der es barrierefreie Straßen, Eingänge und Gebäude kaum gibt. Das mache aber nichts. „Die Bewohner sind so hilfsbereit. Es gibt immer einen, der einen unterstützt“, sagt Schulz. Die Hilfe anzunehmen, müsse aber erlernt werden, weiß er aus Erfahrung. „Das ist das Schwierigste.“

Zur ersten Reise im Rollstuhl ist er ein gutes Jahr nach dem Unfall gestartet. Thailand war das Ziel. Inzwischen war er auch in Kroatien, in Norwegen oder Ägypten.

An Flughäfen in der Welt gibt es einen Service für Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Das Internet hilft ihm, die richtigen Unterkünfte zu finden. Im Netz ist ein Forum für Menschen mit Handicap zu finden, die reisen wollen. Er wird davon berichten.

Schulz wird in Ägypten auf einem Schiff anzutreffen sein. „Das geht alles.“ Dank einer Spezialanfertigung ist er bei Aufenthalten in Thailand auch wieder in einem Roller unterwegs.

VON NORMAN REUTER

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