Mit Robotern Lecks auf der Spur

Anlagenführer Christian Wahl lässt den etwa einen Meter langen Roboter in den Kanal hinab. Mit dessen Hilfe wird der Kanal in der Veerßer Straße repariert.

Uelzen-Veerßen - Von Bernd Schossadowski. Von Weitem sieht es aus wie ein Mini-Torpedo mit Kamera-Aufsatz. Doch als Christian Wahl, Anlagenführer der beauftragten Fachfirma, das Gerät mit einem elektrischen Seilzug in den Kanal der Müllerstraße in Veerßen hinablässt, wird die wahre Aufgabe des vermeintlichen Torpedos deutlich: Es ist ein etwa ein Meter langer Roboter zur Kanalsanierung.

In den kommenden Wochen wird die Fachfirma aus der Nähe von Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) die Kanäle in mehreren Straßen Veerßens mit Hilfe moderner Technik reparieren. Die ersten Schmutz- und Regenwasserkanäle in dem Ortsteil wurden zwischen 1953 und 1956 gebaut.

Inzwischen umfasst das dortige Netz insgesamt 18,5 Kilometer, erklärt Dietmar Kahrs, technischer Werksleiter der Stadtentwässerung Uelzen. Seine Mitarbeiter und er haben nach umfangreichen Kamera-Untersuchungen Anfang des Jahres festgestellt: „Es gibt etliche Schäden in den Kanälen“, erklärt Kahrs die Situation.

Rund 200 000 Euro wird die Sanierung per Roboter-Einsatz kosten, schätzt Kahrs. Zunächst werden auf diese Weise Risse in den Kanälen weggefräst. Ein anderer Roboter verspachtelt die Fugen danach mit Schalungsharz. So wird alles abgedichtet. Die kleine Kamera, die vorn auf den 30 bis 85 Kilogramm schweren Robotern befestigt ist, liefert dazu die Bilder. Diese schaut sich Christian Wahl auf einem Monitor im direkt daneben geparkten Technik-Fahrzeug der Firma an.

Darüber hinaus wird die Stadtentwässerung demnächst zahlreiche Kanäle in Veerßen in der herkömmlichen offenen Bauweise sanieren – Kostenpunkt: rund 100 000 Euro. In einigen Straßen des Ortsteils sollen überdies Schäden im Inliner-Verfahren beseitigt werden. Dabei werden neue Rohre in die kaputten alten eingeführt. Die zu erwartenden Kosten kann Kahrs aber noch nicht beziffern.

Bereits abgeschlossen sind hingegen die Kanalarbeiten in den Bereichen Königsberg und Vorberg sowie im Uelzener Hafen-Industriegebiet. „Dort haben wir die Schäden ebenfalls mit Hilfe von Robotern behoben. Das hat etwa 480 000 Euro gekostet“, berichtet Kahrs. Im kommenden Jahr soll es dann im Sternviertel weitergehen. „Dort laufen zurzeit die Kamera-Untersuchungen.“

Während die Stadtentwässerung die Sanierung der Hauptkanäle finanziert, könnten Grundstückseigentümer in Uelzen mittelfristig zur Kasse gebeten werden. Sollten ihre privaten Hausanschlüsse nämlich undicht sein und dadurch Fremdwasser ins öffentliche Kanalnetz und somit auch in die Kläranlage gelangen, müssen die Eigentümer diese auf eigene Kosten überprüfen und reparieren lassen, sagt Kahrs.

In einigen Bundesländern sind die Betroffenen bereits gesetzlich dazu verpflichtet. In Niedersachsen gibt es diese Vorschrift noch nicht, auch wenn einige Städte wie Hamburg, Hannover und Göttingen das schon verlangen. „Sollte das aber auch in unserem Land Gesetz werden und wir undichte Hausanschlüsse feststellen, werden wir die Eigentümer anschreiben“, kündigt Kahrs an.

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