Verhandlung vor dem Amtsgericht

Verschandelter Imbisstisch: Angeklagter (24) wisse „überhaupt nicht“, was Hakenkreuze sind

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Bereits zwei Mal hat das Amtsgericht wegen in einen Imbisstisch geritzten Hakenkreuzen verhandelt. Weil der Angeklagte bestreitet, etwas mit den verbotenen Symbolen zu tun zu haben, wird es noch ein drittes Mal geben.

Uelzen. Eigentlich schien der Fall klar: Zwei ehemalige Freunde, eine 21 Jahre alte Frau und ihr 24-jähriger Kumpel sollten sich am Amtsgericht Uelzen verantworten, weil sie den Tisch eines Uelzener Imbisses verschandelt hatten.

Neben einem Tic-Tac-Toe-Feld wurden auch Hakenkreuze eingeritzt. Der Schaden: 300 Euro (AZ berichtete).

Während die junge Frau zur Verhandlung erschienen war und zugab, das Tic-Tac-Toe-Feld geritzt zu haben, fehlte vom männlichen Angeklagten jede Spur. Der soll laut der Mitangeklagten aber für die Hakenkreuze – ein in Deutschland verbotenes Symbol – verantwortlich sein.

Das Amtsgericht setzte einen zweiten Termin fest und hat nun gegen den 24-Jährigen aus der Samtgemeinde Aue wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verhandelt. Doch nun die Wende im Hakenkreuz-Prozess: „Dass ich Kreuze in das Tic-Tac-Toe-Feld geritzt habe, geb’ ich zu. War scheiße“, erklärt M, doch er behauptet steif und fest, nichts mit den Hakenkreuzen zu tun zu haben. „Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen. Ich war das nicht“, beteuert er, denn er wisse überhaupt nicht, was Hakenkreuze sind.

Das fällt Richterin Claudia Hagemann schwer zu glauben: „Wissen Sie, wer Hitler war?“, hakt sie nach. M.s Antwort: „Ja, das habe ich mal im Fernsehen gesehen.“

Weiter möchte die Richterin wissen, was M. von Ausländern hält. „Ich hab’ nix gegen die. Das sind Menschen wie du und ich“, sagt der Angeklagte, der den Freund der damals mitangeklagten 21-Jährigen bezichtigt, die Hakenkreuze geritzt zu haben: „Die wollten nur Scheiße mit mir bauen. Deswegen habe ich den Kontakt nach der Sache auch abgebrochen.“ Das Paar habe ihn nach der Trennung von seiner Freundin bei sich aufgenommen, aber auch „ausgenommen“.

Aber nicht nur die ehemalige Bekannte, sondern auch M.s eigene Cousine, die ebenfalls mit im Imbiss war, behauptet, dass er die Hakenkreuze geritzt hat. „Wenn Sie die Sache einräumen, könnte ich mir vorstellen, einer Einstellung des Verfahrens unter Geldauflage zuzustimmen“, bietet ihm der Staatsanwalt an. „Doch wenn Sie sagen, dass sie das nicht waren, müssen wir die Zeugen laden.“

M. bleibt bei seiner Version der Geschichte, weshalb das Gericht die Geschehnisse an einem neuen Termin, dem mittlerweile dritten, rekonstruieren wird. Die Richterin gibt M. mit Blick auf den geschädigten Imbiss-Betreiber noch einen Tipp: „Sie können da mal hingehen, sich entschuldigen und dem Mann 150 Euro zukommen lassen.“

Von Sandra Hackenberg

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