Veterinäramt entdeckt auf Hof in der Gemeinde Wrestedt zehn verendete Tiere

Rinder verdursten im Stall

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Dieses Rind hat überlebt. Doch bei einer Kontrolle stellt das Kreisveterinäramt fest, dass auf einem Hof in der Gemeinde Wrestedt zehn andere Tiere verhungert und verdurstet sind.

Wrestedt/Gemeinde. Sie sind die Überlebenden. Mehrere junge Rinder staken im Morast. Ihre Flanken sind tief eingefallen. Dennoch nähern sie sich dem Beobachter. Menschen bedeuten Futter und Wasser. Und das gab es lange nicht mehr.

Bei einer Kontrolle am Mittwoch hat das Kreisveterinäramt zehn verendete Rinder entdeckt. Das bestätigt Amtstierarzt Dr. Jörg Pfeifer, der auch gestern auf dem Bauernhof in der Gemeinde Wrestedt im Dauereinsatz ist.

Einen vergleichbaren Fall von Tierquälerei durch Vernachlässigung hat der Tiermediziner noch nicht erlebt. Als er den Hof am Mittwoch unter Polizeischutz betritt – nicht jeder Halter schätzt es, wenn ihm seine Tiere weggenommen werden – bietet sich ihm ein Horrorbild: Neben toten Kühen, die angebunden sind, stehen weitere Tiere halb tot, halb lebendig. Drei weitere Rinder werden am Mittwoch aufgrund ihres kritischen Zustandes eingeschläfert, noch einmal zwei folgen gestern.

„Sie waren hochgradig geschwächt durch Hunger und Durst“, sagt Pfeiffer. Die Türen der Ställe hat der Besitzer teilweise abgeschlossen. Pfeifer muss sie aufbrechen lassen, auch um klären zu lassen, ob es noch weitere vernachlässigte Tiere gibt. „Der Kot stand knöcheltief“, schildert der Kreisveterinär den Stand der Verwahrlosung. „Da ist mindestens zwei Wochen nicht ausgemistet worden.“

17 überlebende Tiere werden noch gestern auf einen anderen Bauernhof transportiert, die übrigen versorgt ein anderer Landwirt mit Nahrung und Wasser. Die Tierkörperverwertung holt die Kadaver ab. Zwei von ihnen behält das Veterinäramt, um sie zu untersuchen. „Es ist aber offensichtlich, dass sie verhungert und verdurstet sind“, sagt Pfeiffer. Er hat Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt.

Der Halter ist weder am Mittwoch noch gestern für das Veterinäramt erreichbar. Allerdings beauftragt er eine Viehverwertung damit, 13 Tiere abzuholen.

Der Mann ist für das Veterinäramt kein Unbekannter. Bereits im März gab es laut Pfeiffer eine Anzeige. Der Mann sei aufgefordert worden, regelmäßig auszumisten und Wasser zu geben. Es sei auch eine Besserung festzustellen gewesen. Bei einer Kontrolle vor drei Wochen seien keine eklatanten Mängel festgestellt worden.

Von Gerhard Sternitzke

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