Weinmarkt-Mitbegründer appelliert an Stadt: Trauben an St.-Viti-Kapelle sollen wieder gekeltert werden

Revival für Uelzener Riesling-Reben

Fan von edlem Rebensaft: Johann-Christian Meyer, Urgestein des Uelzener Weinmarktes, würde sich freuen, wenn die lange Jahre vernachlässigten Riesling-Trauben an der St.-Viti-Kapelle wieder zu Federweißer und Most verarbeitet werden. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Er wächst an den Landungsbrücken in Hamburg, am Ufer des Elbe-Seitenkanals in Bad Bevensen – und mitten in Uelzen, auch wenn das inzwischen in Vergessenheit geraten ist. An der Mauer der St.

-Viti-Kapelle an der Lüneburger Straße ranken sich drei Weinreben meterhoch empor. Bis unter die Dachrinne hängt alles voller reifer Beeren. Johann-Christian Meyer, Mitbegründer des Uelzener Weinmarktes, gerät ins Schwärmen, als er die Riesling-Trauben probiert. „Die schmecken ganz süß und aromatisch. Und die Reben sehen richtig gesund aus, auch wenn sie überhaupt nicht gepflegt werden“, freut sich der 75-Jährige.

Nun ist Wein in Uelzen – auf Höhe des 53. Breitengrades – nicht unbedingt zu erwarten. Tatsächlich blickt die Stadt aber auf eine Weinbautradition zurück, die etwa bis 1700 andauerte. Auch heute noch kultiviert so mancher Uelzener Hobbywinzer seine Weintrauben in Gewächshäusern und an warmen Mauern im eigenen Garten. Doch Rebstöcke an einem öffentlichen Gebäude in der Innenstadt, das gibt es in Uelzen wohl kein zweites Mal.

„Die Trauben haben eine wunderschöne goldgelbe Farbe und sind garantiert nicht gespritzt“, sagt Meyer und lässt sich eine weitere der etwa Centstück-großen Beeren schmecken. Im Sommer 1983 – zur Eröffnung des zehnten Uelzener Weinmarktes – pflanzte Winzer Hugo Nalbach aus Reil an der Mosel gemeinsam mit der damaligen Deutschen Weinkönigin Karin Molitor zehn Riesling-Reben an der Südwand der St.-Viti-Kapelle. Bis Ende der 90er Jahr kümmerte sich Meyer, ehemaliger Besitzer der Ratsweinhandlung, um die Pflege der Reben. Seine Frau Uta und er kelterten alljährlich im Herbst Most und Federweißer aus den Trauben und feierten das gemeinsam mit Beamten der Bundespolizei-Hundertschaft Uelzen. Die nutzten die aus dem 15. Jahrhundert stammende Kapelle einst als Gemeinschaftsraum. An Zwiebelkuchen und viele gesellige Abende erinnert sich Meyer noch heute gerne.

Doch im Jahr 2000 verkaufte die Stadt Uelzen die Kapelle und das Grundstück an einen privaten Investor. „Der wollte leider nicht, dass ich mich weiterhin um die Weinreben kümmere“, erzählt Meyer. Und so sind seitdem sieben der zehn Rebstöcke eingegangen oder wurden entfernt.

Doch der Weinexperte hat eine Hoffnung: Im vorigen Jahr hat die Stadt die Kapelle wieder erworben und will sie nun sanieren. „Dabei könnte man sich doch auch wieder um die Pflege der Reben kümmern. Ich würde das gerne übernehmen“, bietet Meyer der Stadtverwaltung an. Für die Weinherstellung lohne sich die Menge Trauben zwar nicht, erklärt er. „Aber man könnte daraus doch wieder Most und Federweißer keltern, zum Beispiel für eine öffentliche Verkostung im Rathaus oder für einen guten Zweck.“

Bei der Stadt Uelzen rennt er damit offene Türen ein. „Wir nehmen Herrn Meyers Angebot sehr gerne an, denn wir schätzen sein hervorragendes fachliches Wissen auf diesem Gebiet“, sagt Bürgermeister Otto Lukat. „Wir freuen uns, dass die Weinreben nicht nur erhalten, sondern mit seinem ehrenamtlichen Engagement nun wieder gepflegt werden können.“ Die Idee einer öffentlichen Verkostung will Lukat aufgreifen: „Die Besonderheit dieser Rebstöcke in unserer Stadt könnte so sicherlich gewürdigt werden. Wir werden uns hierüber mit Christian Meyer gerne austauschen.“

Von Bernd Schossadowski

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