Experten haben Schäden ermittelt / Stadt rechnet mit Kosten von gut einer halben Million Euro

Reste der Uelzener Stadtmauer sind Sanierungsfall

Es sind heute nur noch wenige Meter Stadtmauer erhalten, wie hier an der Mühlenstraße. Der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Eine Sanierung ist notwendig.
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Es sind heute nur noch wenige Meter Stadtmauer erhalten, wie hier an der Mühlenstraße. Der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Eine Sanierung ist notwendig.

Uelzen – Viel ist ohnehin nicht mehr erhalten: Doch nun sind auch die Reste der Uelzener Stadtmauer gefährdet, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagt.

Die Standsicherheit sei in Abschnitten nicht mehr gewährleistet, berichtet Michael Kopske vom Fachbereich Planung, Bauaufsicht und Liegenschaften bei der Stadt Uelzen im jüngsten Ausschuss für Stadtentwicklung. „Dringenden Handlungsbedarf“ gebe es vor allem an der Turmstraße.

Spezialisten haben nach Auskunft von Kopske die Schäden an der Mauer erfasst. Es liegen auch erste Berechnungen vor, was die nötigen Arbeiten zur Sicherung der historischen Mauer wohl kosten werden: gut eine halbe Million Euro. Darin enthalten sei aber bereits ein Sicherheitszuschlag für etwaige Unsicherheiten, so Kopske.

Die Reste der Stadtmauer sind mehr als 600 Jahre alt, wie Stadtarchäologe Dr. Fred Mahler auf AZ-Nachfrage berichtet. Ende des 14. Jahrhunderts sei eine steinerne Stadtmauer mit einer Länge von 1,3 Kilometern entstanden. Die Backsteine dafür stammten, wie der Archäologe schildert, aus einem Ziegelhof, den es seinerzeit in Uelzen gegeben hat.

Heute sind nur noch wenige Meter erhalten. An der Turmstraße, an der Mühlenstraße sowie an der Propstei. Und: „Es gibt noch kleine Reste am Schnellenmarkt, die aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind.“ Die Mauerreste stehen auf einem Fundament aus Feldsteinen, das bis in eine Tiefe von zwei Metern reicht. „Das war eine enorme kollektive Leistung“, so Mahler. An der Turmstraße endet die Mauer in der Höhe von etwa zwei Metern. Bei ihrer Entstehung war sie deutlich höher, sie erreichte bis zu 4,20 Meter.

Wie Fred Mahler erklärt, handelt es sich bei den Resten der Stadtmauer um ein geschütztes Denkmal. Damit gebe es für die Eigentümer eine rechtliche Verpflichtung zum Erhalt. Abgesehen davon habe die Stadtmauer auch eine ideelle Bedeutung. Sie erzählt Uelzener Geschichte und ist unter anderem Beleg dafür, dass es der Stadt Ende des 14. Jahrhunderts finanziell gut ging. Andere Städte hätten sich nicht eine solche Befestigung leisten können.

Die Mauer bot Schutz in Kriegszeiten und vor Räubern. Mit ihr und den drei Stadttoren ließ sich auch kontrollieren, wer in die Stadt wollte oder sie verließ. „Das war wichtig beim Erheben von Zöllen“, so Mahler.

Die notwendigen Arbeiten will Uelzen mithilfe des Stadtsanierungsprogramms finanzieren. Bund und Land würden sich in diesem Fall an den Kosten beteiligen. Nachteile werde das für private Sanierer nicht haben, erklärt Kopske.

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