Der zerbrechliche Frieden

Renke Brahms wertet in Uelzen die EKD-Synode in Dresden aus

Renke Brahms, Friedensbeauftrager der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Eine Kultur des Friedens muss wachsen, deshalb ist Projektarbeit so wichtig.“
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Renke Brahms, Friedensbeauftrager der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Eine Kultur des Friedens muss wachsen, deshalb ist Projektarbeit so wichtig.“

Uelzen – Es war hoher Besuch, der sich zur ökumenischen Bibelwoche zum Thema Frieden der St. Petri-Gemeinde angekündigt hatte.

Pastor Armin Sauer, St. Petri-Gemeinde Uelzen

Und so konnte Pastor Armin Sauer zum Abschluss im Gemeindehaus den Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, begrüßen. Der kam von der gerade zu Ende gegangenen EKD-Synode aus Dresden und sprach in Uelzen zum Thema „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“.

Was sich sperrig anhörte, entpuppte sich dann doch als friedensethischer Vortrag, der nah an der Wirklichkeit die Tagung der EKD einschloss. Brahms, der seit Sommer die Evangelische Wittenbergstiftung in der Lutherstadt leitet und zuvor leitender Theologe der Bremischen Landeskirche war, nahm Bezug auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 und die aktuelle Synode.

Und hier arbeitete er in vier Punkten heraus, was die Kirche in friedensethischer Hinsicht umtreibt. Da sei erstens der „starke Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit“ und zweitens der Zusammenhang von Frieden und Recht, etwa die Frieden stiftende Funktion des internationalen Rechts („Wir haben ja eine ganze Reihe von Staaten, wo das Recht nicht mehr funktioniert“). Brahms nannte etwa die Vereinten Nationen und verwies auch darauf, dass „wir eine Krise des Multilateralismus erleben“. Als Beispiel nannte er die Aufkündigung internationaler Verträge durch die USA etwa im Fall Iran, bei der Rüstungskontrolle mit Russland oder den Ausstieg aus dem Klimaabkommen.

Der Friedensauftragte der EKD forderte wie die Synode drittens den Einsatz gewaltfreier Instrumente zur Konfliktlösung, etwa den Ausbau des Zivilen Friedensdienstes, dem heute 300 bis 350 Kräfte, etwa in Nord-Mali, angehörten. „Eine Kultur des Friedens“ muss wachsen, deshalb ist deren Projektarbeit so wichtig.“ Die EKD-Synode habe festgestellt, „dass wir den zivilen Friedensdienst stärken wollen“. Viertens schlösse die Kirche den Einsatz von Gewalt nicht aus. Es gelte dann, „rechtserhaltende Gewalt“ einzusetzen: „Es gibt Situationen, wo wir auch mit Militär und Zwangsmaßnahmen dazwischen gehen müssen.“ Das sei in der Kirche auch umstritten. So habe man sich bereits mit autonomen und teilautonomen Waffensystemen beschäftigt. „Wie ist das ethisch zu bewerten?“, fragte Brahms und steuerte auf einen neuen, ganz wesentlichen Punkt der Beratungen in Dresden zu.

Bei der Tagung des Kirchenparlaments sei der Klimawandel, der nicht mehr geleugnet werden könne, ein wichtiger Punkt gewesen. Das Nachhaltigkeits- und das Friedensthema hingen eng zusammen. Der Klimawandel wirke als Konfliktbeschleuniger. Es komme zu inner- und zwischenstaatlichen Konflikten etwa um Land und Wasser, vor allem in Afrika und Südamerika. Ein wissenschaftlicher Vortrag habe der Synode die Gefahren vor Augen geführt, aber auch gezeigt: „Wenn wir das Pariser Abkommen einhalten, können wir es noch schaffen“, Brahms.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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