Wie das Reiten eines toten Pferdes

Von Ines Bräutigam - Natürlich ist es legitim, seine Meinung vehement und durchhaltend zu vertreten. Suderburgs Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz hat aber dieser Tage im immer dichter werdenden Fusions- und Strukturreform-Tohuwabohu den Bogen deutlich überspannt. In seiner Überzeugung, die Einheitsgemeinde sei für Suderburg die beste Lösung, hat der Verwaltungschef die Verhältnismäßigkeit der Worte offensichtlich vollkommen aus dem Blick verloren. Beleidigungen und Unterstellungen hinter den Kulissen und ein öffentliches Abwatschen der Ebstorfer, die schuld an gescheiterten Sondierungsgesprächen für eine Fusion sein sollen, sind hart an der Grenze des Erträglichen.

Ganz offenkundig sind derlei Entgleisungen Folge von Furcht. Die Furcht nämlich, im Zuge der Strukturreformen – wie auch immer sie aussehen mögen – den eigenen Posten zu verlieren. Möglicherweise menschlich, wenn man da mal den Blick fürs Wesentliche verliert. Doch so viel Profi sollte ein Hauptverwaltungsbeamter sein, dass er um der Sache willen handelt und nicht für eigene Interessen.

Eine Fusion mit Ebstorf ist also vom Tisch. Weitere potenzielle Partner gibt es zurzeit nicht. Das Festhalten an der Umwandlung in eine Einheitsgemeinde ist wie das Reiten eines toten Pferdes: Die Mitgliedsgemeinden Gerdau und Eimke versagen hierfür nach wie vor ihre Zustimmung. Der letzte Ausweg Selbstentschuldung wird Bürgern und Politik einiges abverlangen.

Da mutet es wie das Pfeifen im dunklen Wald an, wenn Friedhelm Schulz verkündet, Eile tue nicht not, weil das Land nach 2013 sowieso nicht einschreitet, wenn Kommunen nicht von selbst Strukturveränderungen herbeigeführt haben. CDU-Landtagsabgeordneter (und Suderburger Samtgemeinderatsmitglied) Jörg Hillmer ließ aber jüngst wissen: In gewissen Fällen wird das Land es sehr wohl tun. Die Suderburger müssen jetzt konstruktiv realistische Ziele verfolgen, um nicht zu einem solchen Fall zu werden.

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