Verdachtsfälle in der Region / Weidetierhalter gründen Interessengemeinschaft

Reißen Wölfe jetzt Rinder?

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Belegt ist, dass ein Wolf bei Cuxhaven Rinder riss. Nun gibt es Verdachtsfälle in Bleckede und Wietzendorf.

Uelzen. Die Nachricht lässt Weidetierhalter und Wolfsgegner aufhorchen: Wölfe sollen bei Bleckede an der Elbe im Nachbarlandkreis Lüneburg und in Wietzendorf im Heidekreis in den vergangenen Wochen Kälber gerissen haben.

Genetische Untersuchungen, mit denen zweifelsfrei Wolfsrisse bestätigt werden können, laufen noch, informiert Britta Habbe, Wolfsbeauftragte für die Landesjägerschaft. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, wären es weitere Fälle, bei denen die Rudeltiere sich Rinder als Beute gesucht hätten. Der erste Fall deutschlandweit war Mitte August bekannt geworden – bei Cuxhaven wurden zwei neun Monate alte Rinder gerissen.

Gleich wie die Untersuchungen für Wietzendorf und Bleckede ausgehen, für Weidetierhalter sei eine Situation erreicht, in der sie zum Schutz von Leben, Gesundheit und Vermögen nun zum Handeln gezwungen seien, sagt Ulrich Merz aus Növenthien. Im Herbst 2013 fanden sich Weidetierhalter zu einem lockeren Bündnis zusammen, um Betroffenen von Wolfsrissen Gehör zu verschaffen (AZ berichtete). Dieses Bündnis wurde nun in eine Form gegossen: Die Interessengemeinschaft der Weidetierhalter in Nord/Ost Niedersachsen hat seine Arbeit aufgenommen.

Rund 100 Weidetierhalter landesweit werden vertreten. Rudolf Michaelis aus Rätzlingen im Landkreis Uelzen, der auch den lockeren Verbund mit initiiert hatte, ist der Vorsitzende, Ulrich Merz der Sprecher der Interessengemeinschaft. Er berichtet von einem Katalog an Forderungen gegenüber der Landesregierung. Die Kernpunkte: Künftig sollen Halter nicht nur für die gerissenen Tiere entschädigt werden. Auch Einbußen der Weidetierhalter, beispielsweise durch entgangene Verkaufserlöse, sollen Berücksichtigung finden. Zudem solle sichergestellt werden, dass keine unkontrollierte Vermehrung des „Raubtieres Wolf“ möglich ist – dies schließe den Abschuss von Wölfen ein, sagt Merz gegenüber der AZ.

Mit der Thematik Wolf auseinandersetzen will sich auch ein Arbeitskreis auf Landesebene – der AK Wolf. Es ist laut Wolfsberater Theo Grüntjens ein zweiter Anlauf für das Gremium. Im November werde der AK zum ersten Mal zusammenkommen, alle Betroffenen – von Weidetierhaltern über Jogger und Naturverbände – seien berücksichtigt worden. Aufgabe des Gremiums sei es, „vernünftige Lösungen“ zu finden, wenn es Wolfsrisse gebe. Rund 60 Teilnehmer soll der AK haben. Merz ist mehr als skeptisch, dass das Gremium den Weidetierhaltern bei ihren Sorgen helfen kann. „Ich halte nichts davon. Weidetierhalter werden sich einer Überzahl von Naturverbänden gegenübersehen“, so Merz. 

Von Norman Reuter

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