Prozess: Experte vom Bundeskriminalamt sagt zu „Diebe im Gesetz“ aus

Die Regeln der Russen-Mafia

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Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen wird den mutmaßlichen Mitgliedern der Russen-Mafia der Prozess gemacht.

dpa Lüneburg. Im Lüneburger Mammutprozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Russen-Mafia hat ein Experte des Bundeskriminalamts (BKA) gestern Einblicke in die Struktur der Organisation gegeben.

Er schilderte die sogenannten „Diebe im Gesetz“ als straff durchorganisierte Gruppen mit eigenem Wertesystem. So dürften die Mitglieder nicht aussagen und keiner geregelten Tätigkeit nachgehen. Verbindende Elemente seien kulturelle Gemeinsamkeiten und die russische Sprache.

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sei in Westeuropa eine „massive Ausbreitung“ zu beobachten, berichtete der Kriminalhauptkommissar aus dem BKA-Referat für schwere und organisierte Kriminalität. „Weltweit sind 670 Personen der Interpol als gekrönte ‘Diebe im Gesetz’ namentlich bekannt.“ 2014 wurden nach BKA-Angaben mehr als 25 000 Tatverdächtige in Deutschland registriert, die aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stammen. Unter den Mitgliedern seien viele Georgier. Die Anführer seien für die Einhaltung der Regeln, die Koordinierung von Zahlungen und die Schlichtung von Streitereien zuständig.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seien die „Diebe im Gesetz“ geradezu „zum Prototypen der russischen organisierten Kriminalität“ geworden, erklärte der BKA-Experte. Dabei sei meist einer als Anführer in einem bestimmten Gebiet für die Verwaltung einer „Obschak“ genannten Gemeinschaftskasse zuständig. Das gelte auch innerhalb von Justizvollzugsanstalten, auch in Deutschland. Neben strengen Strafen, Regeln und Verboten seien auch eine eigene Sprache und bestimmte Tätowierungen Teil des Systems. Typisch sei die „Abschottung nach außen und nach innen“. Meist würden die Gruppen aus dem Ausland gesteuert.

Seit Februar stehen, wie berichtet, sechs Männer vor dem Landgericht. Ihnen wird Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung sowie banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Vier der Angeklagten sollen zu einer kriminellen Vereinigung gehören, die Teil der „Diebe im Gesetz“ sein soll. Einer der Angeklagten soll die Gruppierung in Hannover geleitet haben.

Zunächst waren rund 80 Verhandlungstage in Lüneburg angesetzt worden, mittlerweile sind mehrere Dutzend bis Ende 2016 dazu gekommen. Der Prozess läuft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

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