Kommentar von AZ-Redakteur Andreas Urhahn über die Gefahr von verborgenen, rechtsextremen Strukturen in der Lüneburger Heide

Rechtsextreme Strukturen: Wir alle sind gefragt!

Rechtsextreme Gewalt in der Gesellschaft steigt.
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Rechtsextreme Gewalt in der Gesellschaft steigt.

Die Rechtsextremismus-Experten Andrea Röpke und Andreas Speit waren in dieser Woche zu einer Autorenlesung in Ebstorf zu Gast. Die neue Gruppe „Beherzt“ (AZ berichtete) hatte dazu eingeladen.

Denn in dem neuen Buch der beiden Autoren „Völkische Landnahme“ kommt auch Uelzen vor.

Wenn man in den Medien von rechtsextremen Umtrieben hört, dann scheint das alles weit weg zu sein, dabei wissen wir nicht erst seit gestern von „Völkischen Siedlern“ in unserem Landkreis. Laut dem Buch bilden sie im Verborgenen rechtsextreme Strukturen in der Lüneburger Heide, in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen-Anhalt und Sachsen und wollen mit ökologischer Landwirtschaft und politischen Initiativen in die Mitte der Gesellschaft vordringen – um dort dann die Saat für ein gefährliches Gedankengut zu legen, das schon einmal beispielloses, unsägliches Leid über die Welt gebracht hat.

Neben den friedlich auftretenden Siedlern, die oft das Erscheinungsbild von „Ökos“ aufweisen und sich im Naturschutz engagieren, treten weiterhin auch die klassisch-gewaltbereiten Neonazis auf. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird sie entdecken: Sie sind Kunden im Supermarkt, in der Apotheke und bei der Bank. Sie gehen zum Arzt und besuchen Volksfeste. Rechtsextreme präsentieren wieder öffentlich ihre Farben und Symbole – ob verboten oder nicht. Woran man sie erkennt, darüber gibt die Broschüre „Rechtsextremismus: Symbole, Zeichen und verbotene Organisationen“, herausgegeben vom Bundesamt für Verfassungsschutz und online kostenlos einsehbar, ausführlich Auskunft. Ein Blick hinein lohnt sich. So heißt es bereits im Vorwort: „Viele Rechtsextremisten werten Schweigen und Wegsehen als Zustimmung und fühlen sich dadurch zu weiteren und häufig folgenschweren Angriffen auf Schwache und Minderheiten herausgefordert. Für eine wirkungsvolle Bekämpfung des Rechtsextremismus bedarf es der Aufmerksamkeit und des Engagements der Bevölkerung.“

Das heißt: Nicht mehr schweigen und nicht mehr wegsehen! Wir alle müssen auf sie zeigen, sie benennen – mutig sein oder eben beherzt. Sie dürfen sich nicht mehr wohlfühlen, sie sollen sich schämen für ihr Weltbild und ihre Kleidung – so wie es schon einmal war.

Wenn wir alle – ganz unerheblich, wie unterschiedlich wir sind, welche Ansichten unser Leben bestimmen – zusammenhalten, es schaffen, uns in dieser Angelegenheit zu solidarisieren, dann werden sie keine Chance haben.

Hier sollten wir uns alle einig sein, von der Linken bis zum gemäßigten Flügel der AfD: Es gilt, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zu erhalten!

VON ANDREAS URHAHN

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