Rechts macht keine Schule

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Mit professioneller Kamera-Ausrüstung entstand der Werbespot für mehr Toleranz. Unter anderem wurde in einem Klassenraum der Theodor-Heuss-Realschule gedreht.

Uelzen. Ein in den Tisch im Klassenraum geritztes Hakenkreuz machte den Anfang. Es ist häufig ein „nonverbaler Rassismus“, dem Migranten im Kontakt mit Deutschen ausgesetzt sind, weiß die Gruppe Mädchen vom CJD Göddenstedt, dem Jugendmigrationsdienst Uelzen. Jenes Symbol veranlasste sie zum Handeln. Von Michael Koch

Jetzt haben Sie einen professionellen Werbespot zur Förderung von Toleranz und Fairness gedreht. Das Projekt läuft unter dem Namen „Rechts macht keine Schule“ und entstand in Uelzen. Zu sehen sein wird der Werbespot unter anderem bei den Uelzener Filmtagen im November 2010. Aber auch an Schulen, Politiker und Medienvertreter soll der Streifen ausgehändigt werden.

Vom Förderantrag über das Drehbuch bis hin zu den Storyboards, in dem jede Kameraeinstellung vor Drehbeginn in Bildern genauestens festgehalten wurde, hatte die Gruppe von elf Mädchen und jungen Frauen des CJD im Alter zwischen 12 und 18 Jahren die Fäden in der Hand. Zusammen mit zwei Nachwuchsfilmern der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg wird das Projekt realisiert. Die Dreharbeiten, die vorwiegend in einem Klassenraum der Theodor-Heuss-Realschule stattfanden, sind abgeschlossen. Geschnitten wird das Rohmaterial in einem Hamburger Studio.

„Alle Teilnehmerinnen arbeiten ehrenamtlich und freiwillig an dem Projekt“, schildert Sylvia Mühring vom CJD Göddenstedt. „Dass sich eine reine Mädchengruppe gebildet hat, stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Filmemacherinnen ungemein“, fügt sie hinzu. Die Erfahrung der Vergangenheit habe gezeigt, dass dieser Prozess in einer gemischten Gruppe kaum möglich sei. „Weil gerade Jungen mit Migrationshintergrund aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds die Gruppen dominieren und die Mädchen dadurch zurückgedrängt werden“, sagt Sylvia Mühring weiter.

Beteiligt haben sich an dem Projekt neben den Autorinnen vom CJD ebenfalls Jugendliche der Lucas-Backmeister-Schule, der Berufsbildenden Schulen (BBS) I sowie des Herzog-Ernst-Gymnasiums.

Das 32-seitige Drehbuch erzählt die Geschichte von Schüler Manfred, gespielt von Alexander Mann (BBS). Er ist neu in der Klasse, wird von der Lehrerin (gespielt von Jutta Hoenecke – auch im wirklichen Leben Lehrkraft an der Theo), seinen Mitschülern vorgestellt. Als er sich auf den freien Platz neben eine dunkelhäutige Schülerin setzen soll, wehrt er sich vehement dagegen. Wie der Spot endet, wird noch nicht verraten.

Die Nachwuchsfilmerinnen wollten bewusst eine Geschichte erzählen, in der sie sich mit einer „einfachen Form“ des Rassismus auseinandersetzen, „welche sich vor allem in der Mimik und Gestik der Betroffenen zeigt – sie verletzt und erniedrigt“.

Bis der Werbesport seine Premiere feiert, dauert es aber noch einige Monate. „Wir rechnen frühestens damit, im September fertig zu sein“, erklärt Sylvia Mühring.

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