EU-Kommissar besucht Bauer Karl Harleß / Landwirte fordern gleiche Standards

„Realität sieht anders aus“

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Hoher Besuch im Schweinestall (v. li.): EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis, Bauer Karl Harleß, Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Linden-Verhorn. Der Schweinestall von Karl Harleß in Verhorn ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Tierwohl.

Niedersachsens grüner Umweltminister Christian Meyer war hier, gestern kam seine Nachfolgerin Barbara Otte-Kinast und brachte den EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, mit.

Harleß ist ein Überzeugungstäter. „Es ist Pionierarbeit, aber es macht uns Spaß“, erzählt der Landwirt der AZ. Seine Schweine dürfen zwei Drittel des Ringelschwanzes behalten und haben doppelt soviel Platz wie in konventionellen Ställen. Sie können sich mit Ketten und Stricken beschäftigen und sich in eine Ruheecke zurückziehen. Beim Rundgang mit den Gästen bedienen sie sich an der Schweinedusche.

Möglich ist das, weil der Verhorner Landwirt für seine Mastschweine im Rahmen der Tierwohlinitiative des deutschen Tierschutzbunds mehr Geld bekommt. Außerdem wurde er als Modellbetrieb unter anderem von der EU gefördert.

„Wir sind führend in Sachen Tierwohl, aber wir sind nicht gut genug und wollen besser werden“, kündigt Landwirtschaftministerin Otte-Kinast in einer Pressekonferenz an. Doch die Landwirte sind skeptisch. „Wir brauchen eine EU, in der gleiche Standards gelten“, fordert Harleß. Denn deutsche Bauern könnten nicht mit den Kollegen in anderen Ländern konkurrieren, wenn sie höhere Tierschutzauflagen erfüllen müssten.

„Der heutige Besuch zeigt, was erreicht werden kann“, sagt der EU-Kommissar. Allerdings seien die Unterschiede innerhalb der Gemeinschaft groß. „Die europäischen Staaten haben unterschiedliche ökonomische Bedingungen“, betonte Andriukaitis. Diese Länder wollten sich aber angleichen.

„Ich weiß, die Realität sieht anders aus“, räumt der Kommissar ein. Denn auch im reichen Dänemark würden ganze Schwänze kupiert, und trotz der deutschen Diskussion über Ringelschwänze werden immer mehr dänische Ferkel nach Deutschland geliefert. „Die Deutschen wollen das“, habe man ihm geantwortet.

Eigentlich ist das Kupieren in der EU seit 2001 verboten, es wird aber auch in Deutschland noch geduldet. Ganz ohne Kupieren geht es nicht, sagt der Bauernverband.

Von Gerhard Sternitzke

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