Tankstellen-Mitarbeiter werden geschult / Ihr Schutz hat Vorrang / Fallzahlen bei Aral rückläufig

Wie reagieren bei Überfällen?

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Zweimal musste die Polizei am vergangenen Wochenende ausrücken, weil Überfälle auf Tankstellen gemeldet wurden. In Uelzen schlug der Tankstellenpächter den Täter in die Flucht. Handelte er richtig?

Uelzen/Bodenteich. Der Tankstellenpächter fackelt nicht lange und holt mit dem Besen mehrfach aus – wie berichtet, hat so ein Tankstellenpächter am Wochenende an der Bahnhofstraße in Uelzen einen Räuber in die Flucht schlagen können.

Für sein Handeln wird ihm in Internetkommentaren Respekt gezollt, er erntet aber auch Kopfschütteln: Bevor sie ihr Leben riskiere, würde sie dem Räuber „noch ein Snickers obendrauf legen“, schreibt eine Kommentatorin.

Wie aber reagieren bei Überfällen? Polizeisprecher Kai Richter sagt: Ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder habe für sich zu entscheiden, wie er – abhängig auch von der Situation – reagiere. Aber grundsätzlich sollte niemand den Helden spielen. Im aktuellen Fall war der Tankstellenräuber mit einem Revolver bewaffnet, feuerte ihn aber nicht ab.

Die Mitarbeiter von Tankstellen lernen bei Schulungen, wie sie sich bei Überfällen verhalten sollen. Detlef Brandenburger, Pressesprecher des Kraftstoff-Unternehmens Aral, hält sich bedeckt, was die Inhalte dieser Schulungen betrifft. Die Unversehrtheit der Mitarbeiter habe aber Vorrang, sagt Brandenburger gestern. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass am Abend die Aral in der Veerßer Straße in Uelzen überfallen wird. Der maskierte und bewaffnete Täter erbeutet rund 800 Euro.

Gleiches ist auch von Falko Steller, der bei Hoyer Leiter des Bezirkes ist, zu dem auch Bad Bodenteich gehört. Die Dependance im Kurort war am Sonnabend ebenfalls von einem Räuber mit Revolver heimgesucht worden. Der Mitarbeiter war der Aufforderung des Täters gefolgt und hatte das Bargeld aus der Kasse – mehrere hundert Euro – ausgehändigt. „Das war richtig. Das war nur Geld“, sagt Steller der AZ. Für solche Fälle gebe es Versicherungen.

Nichtsdestoweniger würden die Filialen immer weiter aufgerüstet, so Steller. In Verkaufsräumen und auf den Außengeländen sind Kameras installiert. Auch von mindestens einem Überfall am Wochenende gibt es Bilder. Von den Einnahmen werde regelmäßig Geld abgeschöpft, erklärt Falko Steller, damit sich ein Überfall nicht rechne. Bei Tankstellen wird auch mit Nachtschaltern gearbeitet, sodass Kunden nicht mehr in die Verkaufsräume kommen.

Eine Tankstelle zu einer Festung zu machen, um jegliche Möglichkeit eines Überfalls zu verhindern, sei allerdings keine Option, sagt Detlef Brandenburger von Aral. „Das widerspricht dem Service-Gedanken“, so der Pressesprecher. „Tankstellenüberfälle sind ein Thema und bleiben es“, meint Brandenburger. Allerdings stelle man bei Aral eine rückläufige Zahl von Überfällen fest.

Von Norman Reuter

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