Bundespolizei vermutet hinter dem Einschleusen von Menschen ein „knallhartes finanzielles Motiv“

Razzia in Uelzener Imbiss

Im Imbiss an der Veerßer Straße wurde jede Schublade und jeder Serviettenstapel untersucht. Foto: Jansen

Uelzen. Es ist kurz vor acht Uhr: Vor dem Sultan-Imbiss an der Veerßer Straße in Uelzen treffen gestern Morgen drei Wagen der Bundespolizei ein. Knapp zehn Beamte in Uniform steigen aus, stellen die Stühle vor die Tür und durchsuchen das kleine Geschäft.

Jedes Pommes-Schild wird umgedreht, Serviettenstapel werden auseinandergeblättert, Schublade für Schublade arbeiten sie sich voran. Vor allem den Tresen, Lager, Kühlräume und Büro inspizieren die Polizeibeamten. Das Gebäude ist eines der acht Häuser, die gestern von mehr als 200 Beamten der Bundespolizei durchsucht wurden. Gegen den Imbiss-Betreiber sowie vier weitere Uelzener wird wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens ermittelt. Sie leisteten bei der vorläufigen Festnahme keinen Widerstand.

Rund 30 000 Euro Bargeld fanden die Beamten insgesamt. Das Geld wurde von der Bundespolizei einkassiert. Foto: Privat

Die Tatverdächtigen hätten familiäre Verbindungen nach Syrien verwendet, um dort interessierte Staatsangehörige für die illegale Reise nach Deutschland oder in andere Schengen-Staaten wie Frankreich anzuwerben: Den 27 bis 45 Jahre alten Schleusern gehe es nicht um Flüchtlingshilfe, betont Einsatzleiter Helgo Martens von der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Hamburg auf AZ-Nachfrage. „Die Situation in Syrien ist ausgenutzt worden.“ Die Summen, die sie für die illegale Einreise verlangten – bis zu 10 000 Euro pro Person – würden zeigen, dass hinter der Tat ein „knallhartes finanzielles Motiv“ stecke. Martens vermutet, dass die Schleuser international vernetzt sind und sich durch das Beweismaterial Hinweise auf weitere an Schleusungen Beteiligte ergeben.

Ein abgesägtes Kleinkalibergewehr mit Schalldämpfer und Munition fanden die Polizisten gestern Vormittag. Foto: Baatani

„Typisch ist, dass wir mit den Erkenntnissen in ein weiteres Verfahren einsteigen können.“ Unter den sichergestellten Beweismitteln sind auch Papiere, die nach Vermutungen der Bundespolizei gefälscht sind. Die Inspektion geht davon aus, dass die Uelzener nicht nur illegale Transporte nach Deutschland organisierten und die Fahrer pro Tour entlohnten, sondern auch selbst aufenthaltsrechtliche Dokumente fälschten. Die Personen, die nach Deutschland einreisen wollten, wurden in der Türkei aufgenommen und mit falschen Pässen auf dem See- oder Luftweg nach Italien gebracht. Für die weitere Reise mieteten die Beteiligten in Italien Fahrzeuge, die syrischen Staatsangehörigen gaben die Papiere wieder ab und wurden über Österreich nach Deutschland gebracht. Ob an diesem Fall dieselben Verdächtigen beteiligt sind, die im August 2011 in Bayern der Polizei ins Netz gingen, wollte Martens nicht bestätigen. Damals war, wie berichtet, ein 26-jähriger Uelzener beim Transport von 14 Illegalen in Rosenheim festgenommen worden.

Von Angelika Jansen und Diane Baatani

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