Kreative Kunst auf kleiner Fläche

Ratsfrau Susanne Niebuhr zur Zukunft des Theaters an der Ilmenau

Das Theater an der Ilmenau ist wegen technischer Mängel derzeit geschlossen. Ratsfrau Susanne Niebuhr schlägt eine Weiternutzung auf verkleinerter Fläche vor. 
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Das Theater an der Ilmenau ist wegen technischer Mängel derzeit geschlossen. Ratsfrau Susanne Niebuhr schlägt eine Weiternutzung auf verkleinerter Fläche vor.

Uelzen – Das Theater an der Ilmenau ist dicht – technische Mängel lassen einen sicheren Spielbetrieb derzeit nicht zu. Für Ratsherrin Susanne Niebuhr (WIR für Uelzen) steht fest: „Wir wollen auf keinen Fall, dass das Theater geschlossen wird. Wir sind aber auch gegen einen Notbetrieb.“

Susanne Niebuhr, Ratsfrau WIR-Fraktion

Das Problem sei aber die derzeitige, durch Corona verschuldete, Situation: „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Die finanzielle Entwicklung der Stadt ist für mindestens drei bis fünf Jahre völlig unklar.“ Außerdem sei noch offen, was die einzelnen Veranstalter und Ensembles in den kommenden Jahren überhaupt ermöglichen könnten. Dem ab 2021 auch für das Theater zuständigen neuen Eigenbetrieb der Stadt, der KTS (AZ berichtete), soll inhaltlich nichts vorweggenommen werden. Aber: „Eine Krise kann auch eine Chance sein.“

Susanne Niebuhr schlägt eine abgespeckte Sanierung des Theaters vor, um den Zuschauerraum und die Vorbühne zu bespielen. Ihre Fraktion spricht sich gegen eine mehrere Millionen Euro teure Theater-Sanierung aus: „Die Stadt Uelzen hat vielfältige tägliche Aufgaben. Und es gibt wichtige große Projekte, an denen wir festhalten, unter anderem das Projekt Parkhaus. Außerdem kommt die Sanierung der Brücke an der Außenmühle auf uns zu, die die Stadt komplett selbst bezahlen muss.“

Deswegen der Vorschlag Niebuhrs für eine abgespeckte Sanierung des Theaters, die laut Verwaltung etwa eine Million Euro koste würde: Der „eiserne Vorhang“ solle geschlossen bleiben. Er ist derzeit defekt, damit ist der Betrieb des Uelzener Theaters momentan ausgeschlossen.

Beim „eisernen Vorhang“ handelt es sich um die Schutzvorrichtung, die Zuschauer- und Bühnenraum im Notfall voneinander trennt. Solche Schutzvorrichtungen sind in deutschen Theaterhäusern Vorschrift, nachdem beim Brand des Wiener Ringtheaters 1881 hunderte von Menschen in den Flammen gestorben waren.

Niebuhr: „Mit einer kleineren Fläche ergeben sich aber kreative Chancen: Wir hoffen, dass viele Künstler die Kraft haben, andere Formate zu finden.“ Beispielsweise sei es nicht notwendig, und vermutlich vielen Ensembles auf längere Zeit auch nicht mehr möglich, opulente und schwere Kulissen herzubringen und aufzubauen: „Die Tournee-Theater werden einsparen müssen. Man kann dann beispielsweise mit Projektoren arbeiten.“

Auf kleinem Raum und ohne große Technik werde sich auch die Qualität der Schauspieler neu unter Beweis stellen lassen müssen. Und es müssten auch keine großen Orchester her: „Dann wird es eben mehr kammermusikalisch.“ Die Ratsfrau betont: „Der große Saal war eine Last, wenn es darum ging, ihn vollzubekommen. Vielleicht lässt sich das positiv umkehren, wenn es künftig nur noch 250 Zuschauer gibt. Ich weiß, wenn dann nur noch auf der 60 Quadratmeter großen Vorbühne gespielt wird, werden einige sagen, das ist ja wie Schülertheater. Aber unser Theater ist in der jetzigen Lage eben nicht in ein paar Jahren mit allen Schikanen saniert.“

Auf jeden Fall wolle man dem neuen städtischen Betrieb Kultur-Tourismus-Stadtmarketing keine Steine in den Weg legen: „Wir müssen dem Team Freiheiten lassen, wenn die KTS ihre Arbeit aufgenommen hat.“

VON MICHAEL MICHALZIK

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