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Kommentar: Ratlosigkeit für 29.000 Euro in Uelzen beim Thema Veranstaltungshallen

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Bis 2021 kann die Uelzener Stadthalle laut Ratsbeschluss noch genutzt werden. Was danach kommen soll, möchte die SPD-Fraktion in einem Gutachten ermitteln lassen.

Kommentar: Ratlosigkeit für 29.000 Euro – beim Thema Veranstaltungshallen sind wir auch nach Gutachten nicht klüger

Keine Frage, es geht um viel. Wenn das Thema Veranstaltungshallen auf den Tisch kommt, hört man in den Gremien der Stadt Uelzen Summen, wie man sie sonst eigentlich nur im Haushalt des Landkreises gewohnt ist. Und daher hielten Verwaltung und Kommunalpolitik es für besser, sich bei der Entscheidung, ob man jetzt die Stadthalle und/oder das Theater erhalten oder sogar ein Veranstaltungszentrum neu bauen will, professionelle Hilfe in Person eines Gutachters zu holen.

So weit, so gut. Oder eigentlich eher so schlecht. Denn der Gutachter hat seine Einschätzungen diese Woche im ersten Fachausschuss gegeben und dafür 29.000 Euro in Rechnung gestellt. Die Stadtpolitik aber ist so (wenig) schlau wie zuvor.

Denn Vieles, was der Experte über die Kulturszene in Uelzen ausführte, zeugt dann doch von nur wenigen Einblicken. Die Stadthalle soll also keine Konkurrenz zur Jabelmannhalle sein, weil in letzterer vor allem Live-Unterhaltung stattfinde? Von Abi-Entlassungen, Generalversammlungen diverser Banken und Organisationen etc. in der Jabelmannhalle hat der Gutachter offenbar noch nie etwas gehört. Die Schnittmenge mit der Stadthalle ist jedenfalls groß.

Der Experte kommt weiter zu dem Schluss, dass sich Stadthalle, Ratssaal, Jabelmannhalle, Schauspielhaus und Theater insgesamt gut ergänzen würden.

Mit Verlaub: Wer mit offenen Augen die kulturelle und Vereins-Szene in dieser Stadt verfolgt, der weiß, dass das Unsinn ist. Sämtliche aufgeführte Veranstaltungsorte sind nicht ausgelastet; andere, wie das Hotel Deutsche Eiche, in denen auch viele Tagungen und Seminare stattfinden, kamen gar nicht erst zur Sprache.

Stattdessen schwammige Besucherzahlen, gewagte Hypothesen und hinlänglich Bekanntes. Eine Markt- und vor allem eine fundierte Bedarfs-Analyse sieht anders aus.

Die Kommunalpolitik bringt das in die Bredouille. Denn letztlich hat sie als Entscheidungsgrundlage nur nackte Zahlen auf dem Tisch. Die Sanierung des maroden Ilmenau-Theaters würde sechs Millionen Euro kosten, ein Theaterneubau 15 Millionen, ein Veranstaltungszentrum als Anbau immerhin noch stolze 9,3 Millionen. 2,3 Millionen wären in den Fortbetrieb der Stadthalle für 15 Jahr zu investieren, für 33 Stadthallen-Jahre inklusive Hotel- und Gaststättenbetrieb wären es 4,8 Millionen Euro.

Das zumindest wäre geklärt. Doch was in dieser Stadt wirklich benötigt wird an Raumkapazitäten für Veranstaltungen, weiß so wirklich keiner. Man darf gespannt sein, welche Gründe die Ratsmitglieder finden, wenn sie tatsächlich noch in diesem Jahr ihre Hand für das eine oder andere Millionenprojekt heben sollten. Eine wirkliche Entscheidungsgrundlage haben sie jedenfalls nicht auf dem Tisch. Sondern nur viel Papier, 29.000 Euro teuer.

Von Thomas Mitzlaff

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