Nach Todesschüssen in Hameln: Uelzener Behörden zwischen Sicherheit und Bürgernähe

„Rathaus ist ein offenes Haus“

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Nach Todesschüssen in Hameln: Uelzener Behörden zwischen Sicherheit und Bürgernähe

Uelzen. Es ist der Spagat zwischen Kunden- und Bürgernähe auf der einen sowie Sicherheitskriterien auf der anderen Seite.

„Der Uelzener Kreisverwaltung ist bewusst, dass sie als Eingriffs- und Ordnungsbehörde auch den Unmut einzelner Bürger auf sich ziehen kann“, sagte Kreissprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage nach Einschätzungen und Konsequenzen zu den tödlichen Schüssen auf den Hamelner Landrat Rüdiger Butte.

Die Verwaltung würde sich als „bürgerfreundlicher Dienstleister verstehen, der allen Bürgern zugänglich sei. Unabhängig davon habe die Kreisverwaltung seit Langem „bestimmte Sicherheitsvorkehrungen getroffen“. Diese seien „insbesondere auch angesichts mehrerer schrecklicher Amokläufe, die sich in der Vergangenheit unter anderem an Schulen ereignet haben, nochmals verstärkt worden. „Ich bitte um Verständnis, dass ich zu Einzelheiten aus verständlichen Gründen keine Angaben machen kann“, betonte Theine. Der Kreissprecher verriet in dem Zusammenhang aber, dass es „bereits konkrete Präventionsmaßnahmen durch Polizeibeamte im Kreishaus gegeben hat“.

Anschaulich und jederzeit sichtbar sind die Sicherheitsvorkehrungen im Uelzener Jobcenter, wo nach Auskunft von Jeannette Unterberger, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, Langzeitarbeitslose, sogenannte „Aufstocker“ aber auch Kunden, die ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten, betreut werden. „Wir setzen dort Wach- und Sicherheitspersonal ein – in Uniform präsent“, machte Unterberger deutlich. Zudem gebe es ein technisches Notrufsystem. Und: „Die Mitarbeiter in der Arbeitsagentur und im Jobcenter erhalten Schulungen, in denen sie auf den Umgang mit Konfliktsituationen vorbereitet werden. Ziel ist jeweils die Deeskalation.“ Ähnliche Maßnahmen werden auch im Rathaus in Uelzen ergriffen. „Die Mitarbeiter unterstützen sich in schwierigen Gesprächen, gehen sensibel mit komplizierten Sachverhalten um und werden im Umgang mit Bürgern geschult“, erläuterte Ute Krüger, Pressesprecherin der Stadt. „Allerdings haben wir auch ein offenes Haus – das Rathaus ist ein Bürgerhaus. Der enge Kontakt zwischen Bürgern und Stadtverwaltung ist wichtig.“ Darauf legt auch Unterberger wert: „Wir wollen uns nicht hinter Schutzglas verschanzen. Wir möchten offene Behörden sein, weil wir für unsere Arbeit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit benötigen.“

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