Ortsansässige sehen Gefahr von Feinstaub, Licht und Lärm 

Rastplatz lässt Riestedter nicht ruhen

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Die Riestedter stemmen sich gegen den Bau einer Tank- und Rastanlage, die 800 Meter vorm Ort entstehen soll. Zuletzt versammelten sich Bewohner zu einer Protestaktion.

Uelzen – Die Riestedter sorgen sich: Der Bau einer Rastanlage an der geplanten A 39 wird den Ort mit Feinstaub, Licht und Lärm belasten, sagen sie. Uelzens Politiker stehen hinter dem Autobahnbau und auch dem Rastplatz. Das haben die Gewählten nun deutlich gemacht.

Das Ergebnis ist eindeutig: Mit großer Mehrheit spricht sich am Montagabend der Rat der Hansestadt für den Bau der Autobahn 39 aus – mit all seinen Nebenanlagen. Das heißt auch: Für die geplante Tank- und Rastanlage in Höhe Riestedt. Sie ist der Grund, weshalb die Stadtpolitik jetzt ein Zeichen in Sachen A 39 setzt.

Was bedeutet der Bau der Tank- und Rastanlage für Riestedt? Der Ort ist bereits vom Schwerlastverkehr betroffen, erklären Bewohner. 

Die Einwohner Riestedts stemmen sich seit geraumer Zeit gegen den Bau der Rastanlage, wollen, dass sie andernorts entsteht. Weil fruchtbarer Boden verloren gehen und die Feinstaubbelastung zunehmen wird, so argumentieren sie. Ihrerseits hatten die Riestedter zuletzt ein Zeichen gegen die Rastanlage gesetzt, indem sie sich zu einem Protest versammelten. Briefe und eine Petition sind an Lokal-, Landes- und Bundespolitiker verschickt worden.

Eine Fläche von 30 Hektar wird laut Planungen für die Rastanlage benötigt, Stellplätze für 100 Autos und 300 Laster sind vorgesehen. Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt versucht am Montag, die Konsequenzen für den Ort auch gar nicht herunterzuspielen. „Ihre Sorgen und Ängste sind berechtigt“, sagt er. Es werde einen großen Flächenverbrauch geben, „Riestedt wird sich verändern.“

Dann folgt das Wort, das die etwa 20 Riestedter, die ins Rathaus gekommen sind, nicht hören wollen: „Aber.“

In den nächsten Minuten betont Markwardt die Bedeutung der geplanten Autobahn für die Region. „Sie ist ein Schlüsselfaktor für Uelzen“, so das Stadtoberhaupt. Klaus Knust, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat, erinnert an Arbeitsplätze, die entstehen werden, wenn die Autobahn und mit ihr Gewerbeansiedlungen kommen.

„Riestedt wird sich verändern“, sagt Jürgen Markwardt.

Markwardt kündigt, „weil man die Sorgen der Riestedter ernst“ nehme, eine Informationsveranstaltung mit Dirk Möller von der Landesstraßenbaubehörde an. Und: Man werde als Stadt die Planungen intensiv begleiten, um „die Auswirkungen für den Ort so gering wie möglich zu halten.“ Das gelte auch für den Bereich Lärm – einen eigenen Lärmschutz für Riestedt sehen die Planungen derzeit nicht vor, woran Susanne Niebuhr im Rat erinnert. Gerade bei solchen Themen seien noch Gespräche zu führen, erklärt der Bürgermeister. „Wir sind da kampferprobt“, so Markwardt.

Aussagen, die Riestedter nicht überzeugen. Walter Krause fragt sich, wie viel Einfluss die Stadt bei einem Bauvorhaben des Bundes wirklich haben wird. „Ich habe da doch arge Zweifel“, sagt er im AZ-Gespräch. Wie erfolgreich Uelzen bei solchen Gemengelagen sei, zeige sich am Schwerlastverkehr durch den Ort, den man nicht in den Griff bekomme.

Sieht aufgeworfene Fragen noch nicht beantwortet: Petra Merz.

Petra Merz, Ur-Riestedterin, die im Ort Unterschriften für die Petition sammelte, sagt gegenüber der AZ, dass von Ortsbewohnern gestellte Fragen noch unbeantwortet seien. Und selbst wenn – wie jetzt – eine Informationsveranstaltung angekündigt werde, verwundere es doch, dass die Politik schon vorher ein Votum abgibt; und dies auch nicht zu dem eigentlich von den Riestedtern aufgeworfenen Thema „Rastanlage“, sondern generell zur Autobahn 39.

VON NORMAN REUTER

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