Ornithologe befürchtet Folgen für Vogelart

Bau der Rastanlage bei Riestedt: „Ortolane mögen keinen Lärm“

Jörg Grützmann hat den Ortolan südlich von Riestedt nachgewiesen. Die Lebensbedingungen mit alten Baumbeständen seien dort optimal. Die Bürgerbewegung um Petra Merz schenkt den Erkenntnissen Beachtung.
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Jörg Grützmann hat den Ortolan südlich von Riestedt nachgewiesen. Die Lebensbedingungen mit alten Baumbeständen seien dort optimal. Die Bürgerbewegung um Petra Merz schenkt den Erkenntnissen Beachtung.

Uelzen-Riestedt – Dieser Vogel hat es Ornithologe Jörg Grützmann besonders angetan: der Ortolan. Sein Gesang, er fällt je nach Region unterschiedlich aus, soll schon Beethoven inspiriert haben. Grützmann sagt: „Ich habe den Ortolan durchgehend seit 50 Jahren im Ohr."

Der gebürtige Bad Bevenser beschäftigt sich seit Ende der 1960er-Jahre mit der Vogelkunde.

Bei Begehungen südlich von Riestedt in diesem Frühjahr ist Grützmann auf Ortolane gestoßen. „Ich habe sie gehört und gesehen“, sagt er im AZ-Gespräch. Von drei singenden Männchen berichtet Grützmann, die er beispielsweise am 13. Mai nachweisen konnte.

Grützmann war in dem Gebiet unterwegs, in dem im Zuge des A 39-Baus eine Tank- und Rastanlage entstehen soll. Stellplätze für 85 Autos und etwa 300 Laster sind vorgesehen, so Planungen aus dem vergangenen Jahr. Einwohner Riestedts stemmen sich gegen die Raststätte.

Vogelart steht auf der Roten Liste

Der Ortolan zählt zu den schützenswerten Vogelarten. Er steht auf der Roten Liste in Niedersachsen für gefährdete Brutvögel. Waren Ortolane, wie Grützmann sagt, noch Mitte des vorigen Jahrhunderts weit verbreitet, sind die Bestände stark zurückgegangen. Dass er noch bei Riestedt zu finden sei, habe mit dem landwirtschaftlichen Anbau zu tun. „Der Ortolan braucht seine Kartoffeln und Rüben“, so Grützmann. Alte Baumbestände dort bildeten ebenfalls optimale Umweltbedingungen. „Es muss viel zusammenpassen, damit sich der Ortolan niederlässt“, sagt Grützmann.

Der Ornithologe verweist darauf, dass es auch schon früher Sichtungen des Ortolans in dem Gebiet gegeben habe. Aufgrund der Bedingungen vor Ort hatte er auch schon öffentlich den Verdacht geäußert, die Vogelart könnte dort auch aktuell noch zu finden sein. Damit löste er Widerspruch aus. Im Frühjahr machte er sich für den Nachweis auf den Weg.

Grützmann ist davon überzeugt, dass durch den Bau von Autobahn und Rastanlage die Vogelart das Weite suchen wird. „Ortolane mögen keinen Baulärm.“ Als Beispiel führt er den Bau des Windparks bei Nateln an – nach Fertigstellung sei dort kein Ortolan mehr gesehen worden.

Riestedter Bürger, die sich gegen die Rastanlage stemmen, schenken den Erkenntnissen von Grützmann Be-achtung. Petra Merz von der Bürgerbewegung: „Die Beobachtungen zum Ortolan zeigen, welche Probleme es für Natur und Umwelt im Zusammenhang mit dem Rastanlagen-Bau gibt.“

Grützmann hat zum Ortolan-Nachweis einen mehrseitigen Bericht verfasst, den er Umwelt- und Naturverbänden sowie der Landesbehörde für Straßenbau in Lüneburg zukommen lassen will. Von der Landesbehörde heißt es auf Nachfrage, dass die Ausführungen von Jörg Grützmann „in Abstimmung mit den beauftragten Fachplanern ausgewertet“ werden.

A 39-Planer werten Beobachtungen aus

Die Lüneburger Behörde berichtet ihrerseits aber auch davon, dass es zu dem Bau der A 39 Erfassungen von Brutvögeln gegeben habe. Es sei dabei deutlich geworden, dass eine Betroffenheit des Ortolans im gesamten Abschnitt 4 (von Uelzen bis Bad Bodenteich) sowie im nördlichen Bereich des Abschnitts 5 (von Bad Bodenteich bis Wittingen) bestehe.

Im Jahr 2019 habe es noch einmal eine Aktualisierung der Brutvogelkartierungen in einem 1000-Meter-Band beidseitig der geplanten Autobahntrasse gegeben. „Nachweise südlich der T+R-Anlage konnten nur vereinzelt und außerhalb des Wirkbandes der A 39 erbracht werden.“

In weiteren Ausführungen spricht die Behörde von möglichen Ausgleichsmaßnahmen. „Der Eingriff in die Lebensräume des Ortolans wird durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen kompensiert.“ In den vergangenen fünf Jahren seien solche Ausgleichsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Landwirten erprobt worden, sodass „nun umfängliche Kenntnisse zu den fachlichen Anforderungen an die Maßnahmenplanung vorliegen“, erklärt die Behörde.

VON NORMAN REUTER

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