Radweg: Klein Süstedt gibt nicht auf

Bis gestern Mittag wiesen an der Kreisstraße zwischen Hansen und Klein Süstedt noch selbst gestaltete Schilder auf die Gefahr für Radfahrer hin: Die Kreisstraßenmeisterei hat die Hinweise entfernt, weil sie von der Behörde nicht angeordnet waren. Foto: Ph. Schulze

Uelzen-Klein Süstedt. Die Klein Süstedter geben nicht auf. Sie wollen sich weiterhin für den Bau eines Radweges an der Kreisstraße 8 zwischen ihrem Ortsteil und Hansen einsetzen. Vor allem der Unfall der 16-jährigen Radfahrerin, die am 28. Juni auf der Strecke von einem Auto erfasst wurde (AZ berichtete), ist für die Dorfbewohner ein Grund, erneut auf den Bau des Radweges zu drängen.

Die Mutter der verunglückten Jugendlichen, Resi Meyer-Tiede, hatte immer einen Unfall befürchtet. „Ich wünsche niemandem, dass er diese Ängste durchmacht wie wir in unserer Familie“, sagt sie. „Ich möchte mich noch einmal für die Sicherheit jedes einzelnen Fahrradfahrers auf der Kreisstraße einsetzen.“

Nun hat die Klein Süstedterin kurzerhand selbst für eine Übergangslösung gesorgt. Vier Holzschilder hat Resi Meyer-Tiede gestaltet und am Rande der angrenzenden Felder an der Kreisstraße aufgestellt. Sie weisen Autofahrer darauf hin, dass sie auf Radfahrer achten müssen und dass die Bevölkerung sich einen Radweg wünscht. Seit gestern Mittag sind die Schilder verschwunden. Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei haben sie entfernt und beim Betriebshof untergestellt. „Schilder müssen von der Verkehrsbehörde des Landkreises angeordnet werden“, erklärte gestern Axel Elbers aus der Kreisverwaltung. „Diese Schilder haben nur einen knappen Meter neben der Fahrbahnkante gestanden, das geht nicht.“

Schüler, Touristen oder auch Anwohner, die mit Einkaufstüten beladen sind, nutzen den Weg an der Kreisstraße. Zwei Unterschriften-Aktionen hatten die Klein Süstedter schon gestartet. Resi Meyer-Tiede hatte selbst die Sammlungen mit zwei weiteren Anwohnern vorangetrieben, und rund 300 Personen unterzeichneten die Listen. 2007 überreichte Ortsbürgermeisterin Brigitte Schufmann die Unterschriften an die Stadt. 2009 hatte CDU-Ratsherr Hans-Jürgen Heuer noch einmal dazu geraten, eine Unterschriftensammlung für den Radwege-Bau zu starten, berichtet Meyer-Tiede. Doch auch zu dem Zeitpunkt war das Engagement erfolglos, der Landkreis hatte kein Geld. „Das gibt es nicht – schon wieder ist die Planung nach hinten gerutscht“, sagt die Klein Süstedterin resigniert.

Nach Angaben des städtischen Baudezernenten Karsten Scheele-Krogull würde der Bau eines Radweges inklusive Grunderwerb rund 250 000 Euro kosten, davon wären 100 000 Euro für die Planungen anzusetzen. Stadt und Kreis müssten sich die Kosten teilen. Nach Informationen Meyer-Tiedes seien aber mindestens 100 000 Euro zu viel dafür veranschlagt. Ihr würde ein Weg reichen, der nicht nach üblichen Normen entsteht. „Man muss nicht immer nach deutschen Verhältnissen bauen“, sagt Meyer-Tiede. „Man könnte zum Beispiel nur einen Meter vom Acker wegnehmen und den Radweg mit Schotter anlegen.“ Die Landwirte seien bereit, ein Stück von ihrem Land dafür abzugeben – „gerade nach dem Vorfall“, ist sie sich sicher. Wenn man den Bau mit Hilfe von Firmen aus dem Landkreis Uelzen organisiert, könnte es vielleicht noch preisgünstiger werden, vermutet Meyer-Tiede.

Die Nachricht, dass eventuell das Uelzener Kreishaus für 900 000 Euro saniert werden soll, verstimmte die Mutter der 16-Jährigen zusätzlich. „Aber für die Sicherheit ist kein Geld da – dann sollten sie für weniger Geld das Kreishaus sanieren. Erst mal sind wir jetzt dran“, fordert sie. „Deshalb appelliere ich an die Politiker, auch im Namen der ortsansässigen Bürger hier endlich für Sicherheit zu sorgen.“

Von Diane Baatani

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